*Source: https://www.years.co/de/herzerkrankungen-durch-frueherkennung-vermeiden*

Der Bereich mit der besten Datenlage

# Kann man Herzerkrankungen durch frühe Diagnostik vermeiden?
Teilweise ja. Herz-Kreislauf ist der eine Präventionsbereich, in dem die vollständige Kette von der Messung über die Behandlung bis zum besseren Verlauf in randomisierten Studien belegt ist. Diese Seite sagt, welche Werte das leisten und welche nicht.

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26

randomisierte Studien hinter der zentralen Aussage

~1/5

weniger schwere Gefäßereignisse je 1 mmol/l LDL

1x

Lp(a) im Leben, danach nie wieder

Die kurze Antwort

## Ja — aber nicht die Messung verhindert etwas
Eine Auswertung von 26 randomisierten Studien mit rund 170.000 Teilnehmenden zeigt: Wird das LDL-Cholesterin um 1 mmol/l gesenkt, sinkt die Rate schwerer Gefäßereignisse um etwa ein Fünftel. Für den Blutdruck gilt dasselbe Muster. Das ist der Grund, warum die Antwort hier Ja lautet und auf unseren anderen Präventionsseiten oft Nein.

Der Mechanismus ist dabei wichtig, weil er oft verwischt wird: Die Diagnostik selbst verhindert keinen Herzinfarkt. Sie findet die Menschen, bei denen eine wirksame Behandlung etwas bringt, und sie findet sie früh genug. Ohne die Behandlung im Anschluss ist die Messung ein Datenpunkt ohne Wirkung.

Was tatsächlich zählt

## Vier Größen, die eine Entscheidung verändern
Nicht jeder Herzwert verändert eine Behandlung. Diese hier tun es, und sie sind zusammen weder teuer noch aufwendig.

### ApoB
Zählt die Zahl der atherogenen Partikel statt nur die transportierte Cholesterinmenge. Bei gleichem LDL-Wert kann die Partikelzahl deutlich unterschiedlich sein, und genau sie bestimmt das Risiko.

### Lp(a)
Genetisch festgelegt und über das Leben weitgehend konstant. Die europäischen Fachgesellschaften empfehlen deshalb eine einmalige Bestimmung im Erwachsenenleben. Wer einen hohen Wert hat, weiß es sonst nie.

### Blutdruck
Der am besten untersuchte veränderbare Risikofaktor überhaupt. Er verursacht über Jahre keine Beschwerden und ist in wenigen Minuten gemessen.

### Plaque im Gefäßultraschall
Zeigt, ob der Prozess bereits begonnen hat. Das verändert die Einschätzung bei Menschen, deren Laborwerte im Grenzbereich liegen, und damit die Entscheidung über eine Behandlung.

Die Grenze

## Auch beim Herzen hört die Evidenz irgendwo auf
Dass die Kette bei Cholesterin und Blutdruck schließt, heißt nicht, dass jede zusätzliche Herzuntersuchung denselben Nutzen hat. Für breite Bildgebung bei Beschwerdefreien fehlt dieser Beleg, und ein Ganzkörper-MRT steht bei uns deshalb auf Evidenzstufe 3. Es kann strukturelle Zusatzinformationen liefern und löst bei uns keine Behandlung aus.

Diese Unterscheidung ist kein Detail. Sie ist der Unterschied zwischen einem Befund, aus dem etwas folgt, und einem, der vor allem Unruhe erzeugt.

## Häufige Fragen
Kann man Herzerkrankungen durch frühe Diagnostik vermeiden? + Teilweise ja, und Herz-Kreislauf ist der Bereich, in dem das am besten belegt ist. Wichtig ist der Mechanismus: Nicht die Messung verhindert etwas, sie führt zu einer Behandlung, die es tut. Eine Auswertung von 26 randomisierten Studien mit rund 170.000 Teilnehmenden zeigt, dass eine Senkung des LDL-Cholesterins um 1 mmol/l die Rate schwerer Gefäßereignisse um etwa ein Fünftel senkt. Für den Blutdruck gilt dasselbe Muster. Damit ist die vollständige Kette belegt: Befund, Behandlung, besserer Verlauf. Das gilt für die etablierten Risikomarker, nicht automatisch für jede zusätzliche Herzuntersuchung.

Welche Werte sollte ich für mein Herzrisiko kennen? + Blutdruck, ein Lipidprofil einschließlich ApoB, einmalig Lp(a), HbA1c und die kardiorespiratorische Fitness. Diese fünf decken den Teil ab, für den der Nutzen am besten belegt ist, und sie sind zusammen weder teuer noch aufwendig. ApoB lohnt sich neben dem LDL-Wert, weil es die Zahl der atherogenen Partikel zählt und das Risiko dadurch genauer abbildet. Lp(a) ist genetisch festgelegt und muss deshalb nur einmal im Leben bestimmt werden. Wer diese fünf kennt und im Blick behält, hat den belastbaren Teil der Herzprävention abgedeckt.

Brauche ich dafür ein Ganzkörper-MRT? + Nein. Der belegte Teil der Herzprävention läuft über Labor, Blutdruck, Gefäßultraschall, EKG und Belastungsuntersuchung. Ein Ganzkörper-MRT steht bei uns auf Evidenzstufe 3: Für beschwerdefreie Menschen ist sein Nutzen nicht belegt, und ein Befund daraus löst bei uns keine Behandlung aus. Es kann strukturelle Zusatzinformationen liefern, ersetzt aber keinen der Werte oben und verbessert die Risikoeinschätzung nicht nachweislich. Wer ausschließlich wegen des Herzens kommt, bekommt den wirksamen Teil auch ohne Bildgebung.

Ab welchem Alter ist das sinnvoll? + Für die Basiswerte gibt es keinen Grund zu warten: Blutdruck, Lipidprofil und HbA1c sind ab dem Erwachsenenalter sinnvoll und in der gesetzlichen Gesundheitsuntersuchung ab 35 auch enthalten. Lp(a) einmalig, je früher desto besser, weil der Wert sich nicht ändert und die Konsequenz umso länger wirkt. Erweiterte Diagnostik wird mit dem Alter und mit der familiären Vorbelastung relevanter. Wer Eltern oder Geschwister mit frühem Herzinfarkt hat, sollte den Zeitpunkt vorziehen und nicht auf eine Altersgrenze warten.

Quellen

- Senkung des LDL-Cholesterins und schwere Gefäßereignisse, 26 randomisierte Studien, rund 170.000 Teilnehmende

Cholesterol Treatment Trialists Collaboration, Lancet 2010
- Einmalige Lp(a)-Bestimmung im Erwachsenenleben, ApoB als Risikomarker

ESC/EAS Dyslipidaemia Guidelines, Eur Heart J 2020

## Weiterlesen
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Der zweite Bereich, in dem die Kette vollständig geschlossen ist.

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Medizinischer Hinweis

Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Befunde und individuelle medizinische Entscheidungen besprich bitte mit einem qualifizierten Arzt. Inhalte werden regelmäßig auf den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Evidenz geprüft.