*Source: https://www.years.co/de/liquid-biopsy-vs-krebsfrueherkennung*

Zwei Verfahren, zwei Evidenzstufen

# Liquid Biopsy oder klassische Krebsfrüherkennung?
Die Frage wird meist so gestellt, als müsste man sich entscheiden. Muss man nicht, und man kann es auch nicht: Das eine ersetzt das andere nicht. Diese Seite erklärt, warum, und was die größte Studie zu dieser Testklasse tatsächlich ergeben hat.

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140.000+

Teilnehmende in der NHS-Galleri-Studie

4 von 10

positive Ergebnisse mit Krebsdiagnose (PATHFINDER)

Stufe 3

Evidenzeinstufung der Liquid Biopsy bei YEARS

Die kurze Antwort

## Kein Ersatz, sondern eine andere Kategorie
Die etablierte Krebsfrüherkennung sucht gezielt eine bestimmte Krebsart in einer definierten Gruppe, in festen Intervallen, und für mehrere dieser Programme ist eine Senkung der krankheitsspezifischen Sterblichkeit belegt. Eine Liquid Biopsy sucht Signale im Blut über viele Tumorentitäten hinweg. Ein solcher Nachweis fehlt hier.

Deshalb steht die Liquid Biopsy bei uns auf Evidenzstufe 3 und die etablierte Früherkennung auf Stufe 1. Das ist keine Geringschätzung des Verfahrens, sondern seine korrekte Einordnung. Wer beides gegeneinander abwägt, stellt die falsche Frage.

## Der Vergleich in fünf Dimensionen

Dimension | Etablierte Früherkennung | Liquid Biopsy |

Ziel | Eine bestimmte Krebsart in einer definierten Altersgruppe früher finden, in festen Intervallen. | Über viele Tumorentitäten hinweg nach Signalen im Blut suchen, ohne Festlegung auf ein Organ. |
Evidenzstufe bei YEARS | Stufe 1. Für mehrere Programme ist eine Senkung der krankheitsspezifischen Sterblichkeit belegt. | Stufe 3, forschungsnah. Kein Nachweis einer Sterblichkeitssenkung, löst bei uns keine Therapie aus. |
Was ein auffälliges Ergebnis bedeutet | Ein definierter Abklärungspfad mit etablierten Folgeuntersuchungen, der in Leitlinien beschrieben ist. | Ein Suchsignal ohne festen Ort. In der PATHFINDER-Studie führten etwa vier von zehn positiven Ergebnissen tatsächlich zu einer Krebsdiagnose. |
Was ein unauffälliges Ergebnis bedeutet | Entwarnung für die untersuchte Krebsart bis zum nächsten Intervall, nicht darüber hinaus. | Deutlich weniger, als es sich anfühlt. Viele frühe Tumoren geben zu wenig Material ins Blut ab, um erkannt zu werden. |
Ersetzbarkeit | Nicht ersetzbar. Koloskopie, Mammografie und die weiteren Programme bleiben unabhängig davon indiziert. | Ergänzend, nie als Ersatz. Wer die etablierte Früherkennung wegen eines unauffälligen Bluttests auslässt, hat die Sicherheit verringert, nicht erhöht. |

Was die Studien zeigen

## Vier Punkte, die die Debatte oft auslässt

### NHS-Galleri: primärer Endpunkt verfehlt
Die bislang größte Studie zu einem Multi-Cancer-Test umfasste über 140.000 Teilnehmende. Der primäre Endpunkt wurde verfehlt. Das ist der Referenzpunkt für diese Testklasse, und er zeigt vor allem, wie weit der Weg von einem messbaren Signal zu einem belegten Nutzen ist.

### Leistungsdaten sind nicht übertragbar
Galleri liest Methylierungsmuster zellfreier DNA, andere Verfahren suchen zirkulierende Tumorzellen. Das sind unterschiedliche Messprinzipien. Zahlen aus einer Studie gelten immer für den untersuchten Test und nicht für die Kategorie. Wer eine Sensitivität nennt, muss dazusagen, welcher Test gemeint ist.

### Auch die etablierte Früherkennung ist nicht makellos
Der Vergleich wäre unfair, wenn er nur eine Seite prüfen würde. Auch bei etablierten Programmen gibt es Überdiagnose, falsch positive Befunde und Effektstärken, die kleiner ausfallen als erwartet. Die randomisierte NordICC-Studie zur Koloskopie hat genau das gezeigt. Der Unterschied ist nicht Perfektion, sondern dass diese Programme überhaupt in randomisierten Studien geprüft wurden.

### Warum wir sie trotzdem einsetzen
Weil sie etwas messen kann, das kein anderes Verfahren in unserem Programm misst, und weil wir die Einordnung mitliefern. Ein Ergebnis wird dokumentiert und besprochen, es löst für sich genommen keine Therapie aus, und es verändert die Empfehlung zur etablierten Früherkennung nicht. Unter diesen Bedingungen ist sie ein Forschungsverfahren im Programm, kein Screening.

Die vollständige Evidenzklassifikation aller Verfahren steht auf unserer Evidenzseite . Wie häufig breite Diagnostik Zufallsbefunde erzeugt, steht auf Zufallsbefunde .

Quellen

## Studien, auf die sich diese Seite bezieht

- NHS-Galleri, primäre Ergebnisse, ASCO 2026 (Abstract LBA100) Über 140.000 Teilnehmende, primärer Endpunkt verfehlt. Referenzpunkt für die Testklasse und Grundlage der Aussage, dass eine Sterblichkeitssenkung nicht belegt ist.

- Schrag D. et al., PATHFINDER, The Lancet 2023 Grundlage für die Angabe, dass etwa vier von zehn positiven Ergebnissen tatsächlich zu einer Krebsdiagnose führten.

- Multi-cancer early detection tests for general population screening, NIHR HTA 2024 Health-Technology-Assessment zur gesamten Testklasse im Screening-Kontext der Allgemeinbevölkerung.

- Bretthauer M. et al., NordICC, N Engl J Med 2022 Randomisierte Studie zur Koloskopie. Grundlage für die Aussage, dass auch etablierte Programme kleinere Effektstärken zeigen können als erwartet.

## Häufige Fragen

Ersetzt eine Liquid Biopsy die klassische Krebsfrüherkennung? + Nein, und das ist die wichtigste Aussage auf dieser Seite. Die etablierte Früherkennung steht bei uns auf Evidenzstufe 1, weil für mehrere Programme eine Senkung der krankheitsspezifischen Sterblichkeit belegt ist. Die Liquid Biopsy steht auf Stufe 3, forschungsnah: Sie misst Signale im Blut, ein Nachweis einer Sterblichkeitssenkung fehlt. In der bislang größten Studie zu einem Multi-Cancer-Test mit über 140.000 Teilnehmenden wurde der primäre Endpunkt verfehlt. Wer wegen eines unauffälligen Bluttests auf Koloskopie oder Mammografie verzichtet, hat seine Sicherheit verringert und nicht erhöht.

Was bedeutet ein positives Ergebnis? + Ein Suchsignal, keine Diagnose. In der PATHFINDER-Studie führten von zehn positiven Ergebnissen etwa vier tatsächlich zu einer Krebsdiagnose. Das heißt umgekehrt: Sechs von zehn Personen mit einem positiven Ergebnis durchliefen eine Abklärung, an deren Ende kein Krebs stand. Diese Abklärung kostet Zeit, Geld und Nerven und bringt eigene Risiken mit. Hinzu kommt, dass das Signal zunächst keinen Ort nennt, weshalb die Suche breit ansetzen muss. Deshalb gehört die Frage, was ein positives Ergebnis bei Dir auslösen würde, vor die Untersuchung und nicht danach.

Wie sicher ist ein unauffälliges Ergebnis? + Weniger sicher, als es sich anfühlt. Ein Multi-Cancer-Test findet nur, was genug Material ins Blut abgibt. Gerade sehr frühe und kleine Tumoren tun das oft nicht, und genau die wären die Fälle, in denen eine frühe Entdeckung den größten Unterschied machen würde. Ein unauffälliges Ergebnis schließt eine Krebserkrankung deshalb nicht aus. Es ist eine Momentaufnahme eines Signals, nicht eine Untersuchung des Körpers. Praktisch heißt das: Symptome bleiben abklärungsbedürftig, und die etablierte Früherkennung läuft in ihren Intervallen weiter, unabhängig vom Testergebnis.

Sind alle Liquid-Biopsy-Tests gleich? + Nein, und das wird häufig übersehen. Verschiedene Verfahren messen unterschiedliche Dinge: Manche lesen Methylierungsmuster zellfreier DNA, andere suchen zirkulierende Tumorzellen. Das sind unterschiedliche Messprinzipien mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Leistungsdaten aus einer Studie gelten deshalb immer nur für den dort untersuchten Test, nie für die Kategorie. Wenn ein Anbieter eine Sensitivität nennt, ist die erste Rückfrage, aus welcher Studie zu welchem Test die Zahl stammt. Kommt darauf keine klare Antwort, ist die Zahl nicht verwertbar.

Warum bietet YEARS die Liquid Biopsy dann überhaupt an? + Weil sie etwas misst, das kein anderes Verfahren in unserem Programm misst, und weil wir sie unter klaren Bedingungen einsetzen. Sie ist bei uns als forschungsnahes Verfahren gekennzeichnet, ein Ergebnis wird dokumentiert und ärztlich eingeordnet, und es löst für sich genommen keine Therapie aus. Vor allem verändert es die Empfehlung zur etablierten Früherkennung nicht. Wer sie als Ersatz für Koloskopie oder Mammografie verkauft, überschreitet die Datenlage deutlich. Wir tun das nicht, und diese Seite steht auch deshalb hier, damit die Abgrenzung nachlesbar ist.

## Weiterlesen
Die Verfahren im Einzelnen, mit derselben Einordnung wie hier.

Liquid Biopsy

Multi-Cancer-Detektion als forschungsnahes Verfahren, nicht als Screening-Ersatz.

Krebsvorsorge

Die etablierte Früherkennung mit ihren Intervallen und Zielgruppen.

Evidenz

Drei Evidenzstufen, jedem Verfahren zugeordnet, mit Studienlage.

Zufallsbefunde

Wie häufig breite Diagnostik etwas findet, das niemand gesucht hat.

Ganzkörper-MRT

Das bildgebende Gegenstück, mit derselben offenen Einordnung.

Familiäre Vorbelastung

Wann eine Familienanamnese die Früherkennung tatsächlich verändert.

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Medizinischer Hinweis

Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Befunde und individuelle medizinische Entscheidungen besprich bitte mit einem qualifizierten Arzt. Inhalte werden regelmäßig auf den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Evidenz geprüft.