*Source: https://www.years.co/de/was-ist-pharmakogenetik*

Genetik mit direkter Konsequenz

# Was ist Pharmakogenetik?
Der Teil der Genetik, bei dem die Evidenz am stärksten und die Konsequenz am klarsten ist. Bei einem Gen empfiehlt die europäische Arzneimittelagentur die Testung sogar vor Therapiebeginn. Diese Seite zeigt, welche Gen-Wirkstoff-Paare zählen und warum die Liste so kurz ist.

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2020

EMA empfiehlt DPD-Testung vor Fluoropyrimidinen

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Gen-Wirkstoff-Paare mit belastbaren Empfehlungen

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Dosisänderungen, die wir selbst vornehmen

Die kurze Antwort

## Nicht ob ein Medikament hilft, sondern wie Du es verarbeitest
Pharmakogenetik untersucht, wie erbliche Varianten die Wirkung und Verträglichkeit von Medikamenten beeinflussen. Meist geht es um Enzyme, die einen Wirkstoff abbauen oder erst aktivieren. Wer ein solches Enzym nur eingeschränkt bildet, hat bei Standarddosis eine höhere Konzentration im Blut und damit ein höheres Nebenwirkungsrisiko.

Das unterscheidet sie vom Rest der präventiven Genetik: Aus einem pharmakogenetischen Befund folgt etwas Konkretes, nämlich eine andere Dosis oder ein anderes Präparat. Allerdings nur für eine überschaubare Zahl von Wirkstoffen.

Die belegten Fälle

## Fünf Gen-Wirkstoff-Paare, bei denen es wirklich zählt
Keine vollständige Liste, sondern die Fälle mit den klarsten Empfehlungen. Wer mehr verspricht, sollte die Quelle dazu nennen können.

DPYD 5-Fluorouracil, Capecitabin, Tegafur, Flucytosin

Ein Mangel des abbauenden Enzyms lässt den Wirkstoff im Blut anfluten. Folgen sind schwere, teils lebensbedrohliche Nebenwirkungen.

Die EMA empfiehlt seit April 2020 eine Testung vor Therapiebeginn. Das ist der belastbarste Fall der gesamten Pharmakogenetik.

CYP2C19 Clopidogrel, bestimmte Protonenpumpenhemmer, einige Antidepressiva

Clopidogrel ist ein Prodrug und muss erst aktiviert werden. Wer das Enzym nur eingeschränkt bildet, erreicht die erwartete Hemmung der Blutplättchen nicht.

Internationale Dosierungsempfehlungen liegen vor. Praktisch relevant vor allem nach Stentimplantation.

TPMT und NUDT15 Azathioprin, Mercaptopurin, Thioguanin

Eingeschränkter Abbau führt zu schwerer Knochenmarksuppression bei Standarddosis.

Etablierte Dosierungsempfehlungen, in der Rheumatologie und Gastroenterologie seit Jahren im Einsatz.

CYP2D6 Codein, Tramadol, Tamoxifen, einige Antidepressiva und Neuroleptika

Codein wird erst im Körper zu Morphin umgewandelt. Sehr schnelle Verstoffwechsler bilden ungewöhnlich viel davon, langsame fast nichts, dann bleibt die Schmerzlinderung aus.

Gut untersucht, mit Warnhinweisen in den Fachinformationen. Die Genetik ist hier ein Faktor unter mehreren.

SLCO1B1 Simvastatin und weitere Statine

Eine verringerte Aufnahme in die Leberzellen erhöht die Konzentration im Blut und damit das Risiko für Muskelbeschwerden.

Relevant vor allem bei Personen, die Statine wegen Muskelbeschwerden abgesetzt haben, ohne dass eine Ursache gefunden wurde.

## Vier Grenzen, die dazugehören

### Die Liste ist kurz, und das ist der Punkt
Für eine überschaubare Zahl von Gen-Wirkstoff-Paaren gibt es belastbare Empfehlungen. Für die große Mehrheit aller Medikamente gibt es keine. Ein Anbieter, der ein pharmakogenetisches Profil für hunderte Wirkstoffe verspricht, extrapoliert weit über die Datenlage hinaus.

### Das Gen erklärt nicht die ganze Wirkung
Nierenfunktion, Leberfunktion, Alter, Gewicht, Begleitmedikation, Rauchen und die Einnahmetreue beeinflussen die Wirkstoffkonzentration oft stärker als eine Variante. Pharmakogenetik verschiebt eine Einschätzung, sie ersetzt keine klinische Beobachtung.

### Ein Ergebnis ohne aktuelle Medikation bleibt auf Vorrat
Wer keine der betroffenen Substanzen einnimmt, hat von einem pharmakogenetischen Befund heute nichts. Der Wert liegt darin, dass er vorliegt, wenn eine dieser Therapien ansteht. Das ist ein legitimer Grund, ihn zu erheben, aber ein anderer als ein akuter Nutzen.

### Ein Befund ändert nichts ohne die behandelnde Person
Eine Dosierung wird nicht wegen eines Laborzettels geändert, sondern von der Person, die die Therapie führt. Ein pharmakogenetischer Befund gehört deshalb dorthin weitergegeben, nicht in Eigenregie umgesetzt. Kein Medikament eigenmächtig absetzen oder umdosieren.

Wie sich ein genetischer Risikofaktor von einer Diagnose unterscheidet, steht auf genetische Risikofaktoren . Der Unterschied zwischen Versandtest und ärztlicher Untersuchung steht auf genetische Analyse oder Online-Gentest .

Quellen

## Worauf sich die Angaben auf dieser Seite stützen

- European Medicines Agency, Empfehlung zur DPD-Testung, 30. April 2020 Grundlage für die Aussage, dass vor einer Therapie mit Fluorouracil, Capecitabin, Tegafur oder Flucytosin auf DPD-Mangel getestet werden soll, entweder über den Uracilspiegel im Blut oder über DPYD-Varianten.

- DGHO, Positionspapier zur DPD-Testung, 2020 Die deutsche fachgesellschaftliche Einordnung derselben Empfehlung, gemeinsam getragen von mehreren Fachgesellschaften.

- Clinical Pharmacogenetics Implementation Consortium (CPIC), Leitlinien Die international genutzte Sammlung von Dosierungsempfehlungen je Gen-Wirkstoff-Paar, inklusive CYP2C19, TPMT, NUDT15, CYP2D6 und SLCO1B1. Jede Leitlinie nennt ihre Evidenzstufe mit.

## Häufige Fragen zur Pharmakogenetik

Was ist Pharmakogenetik? + Pharmakogenetik untersucht, wie erbliche Varianten die Wirkung und Verträglichkeit von Medikamenten beeinflussen. Der häufigste Mechanismus betrifft Enzyme, die einen Wirkstoff abbauen oder erst aktivieren. Wer ein solches Enzym nur eingeschränkt bildet, hat bei Standarddosis eine höhere Wirkstoffkonzentration und damit ein höheres Nebenwirkungsrisiko. Umgekehrt kann ein Wirkstoff, der erst im Körper aktiviert werden muss, bei eingeschränktem Enzym schlicht nicht wirken. Anders als viele andere genetische Aussagen hat Pharmakogenetik damit eine direkte praktische Konsequenz: eine andere Dosis oder ein anderes Präparat.

Wie gut belegt ist Pharmakogenetik? + Für einzelne Gen-Wirkstoff-Paare sehr gut, für die Breite aller Medikamente nicht. Das belastbarste Beispiel ist DPYD: Die europäische Arzneimittelagentur empfiehlt seit April 2020, vor einer Therapie mit Fluorouracil, Capecitabin, Tegafur oder Flucytosin auf einen DPD-Mangel zu testen, weil dieser Mangel zu schweren und teils lebensbedrohlichen Nebenwirkungen führt. Ähnlich klare Empfehlungen gibt es für TPMT und NUDT15 vor Thiopurinen sowie für CYP2C19 bei Clopidogrel. Für die große Mehrheit aller Wirkstoffe existiert dagegen keine belastbare Empfehlung. Die Kürze dieser Liste ist die eigentliche Information.

Für wen ist eine pharmakogenetische Untersuchung sinnvoll? + Am ehesten für drei Gruppen. Erstens: Menschen, bei denen eine der betroffenen Therapien konkret ansteht, allen voran eine Chemotherapie mit Fluoropyrimidinen oder eine Thiopurin-Therapie. Zweitens: Menschen, die ein Medikament wegen Nebenwirkungen nicht vertragen haben, ohne dass eine Ursache gefunden wurde, etwa Muskelbeschwerden unter Statinen. Drittens: Menschen mit Dauermedikation, bei denen die Wirkung hinter dem Erwarteten zurückbleibt. Ohne einen dieser Anlässe liegt der Nutzen darin, den Befund vorliegen zu haben, falls eine solche Therapie einmal ansteht. Das ist ein legitimer, aber schwächerer Grund.

Ist Pharmakogenetik bei YEARS enthalten? + Ein pharmakogenetisches Profil ist Teil der genetischen Analyse und wird im Ultimate-Programm gemeinsam mit der Ganzgenomsequenzierung erhoben. Die Befunde werden ärztlich eingeordnet und schriftlich dokumentiert, damit Du sie an die Personen weitergeben kannst, die Deine Therapie führen. Genau das ist der Punkt: Ein pharmakogenetischer Befund entfaltet seinen Wert erst dort, wo eine Verordnung entsteht, nicht bei uns. Wir ändern keine laufende Medikation, sondern liefern die Grundlage dafür an die behandelnde Person. Welche Verfahren in welchem Programm stecken, steht auf der Programmseite.

Was kann Pharmakogenetik nicht? + Sie kann nicht vorhersagen, ob ein Medikament bei Dir hilft. Sie sagt etwas über Verstoffwechselung und Verträglichkeit, nicht über den therapeutischen Erfolg. Sie erklärt auch nicht die ganze Schwankung zwischen Personen: Nierenfunktion, Leberfunktion, Alter, Gewicht, Begleitmedikation, Rauchen und die Einnahmetreue wirken oft stärker als eine Variante. Und sie ersetzt keine klinische Beobachtung, weil eine Nebenwirkung auffällt, bevor ein Befund sie erklärt. Ein pharmakogenetisches Ergebnis ist deshalb ein zusätzlicher Faktor in einer Entscheidung, die weiterhin ärztlich getroffen wird, und kein Grund, eigenmächtig etwas an der Medikation zu ändern.

## Weiterlesen
Pharmakogenetik ist ein Teil der genetischen Analyse. Der Rahmen steht hier.

Genetische Analyse

Umfang, Ablauf und ärztliche Einordnung der Untersuchung.

Ganzgenomsequenzierung

Das Verfahren, aus dem das pharmakogenetische Profil stammt.

Analyse oder Online-Gentest

Warum die Rechtslage den Unterschied macht und nicht das Labor.

Genetische Risikofaktoren

Risiko ist keine Diagnose. Was daraus folgen darf und was nicht.

YEARS Ultimate

Das Programm, in dem Ganzgenom und pharmakogenetisches Profil enthalten sind.

Evidenz

Welches Verfahren bei uns auf welcher Evidenzstufe steht.

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Medizinischer Hinweis

Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Befunde und individuelle medizinische Entscheidungen besprich bitte mit einem qualifizierten Arzt. Inhalte werden regelmäßig auf den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Evidenz geprüft.