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Longevity-Diagnostik in Deutschland: Wie man das altern misst

Der Begriff „Longevity" ist allgegenwärtig. Tech-Milliardär Bryan Johnson gibt nach eigenen Angaben über zwei Millionen Dollar jährlich aus, um seinen Körper täglich zu optimieren. Muss das sein?

Von Niko Hems, M.Sc.Veröffentlicht am 12. April 202613 Min. Lesezeit
Longevity Diagnostics at the years clinic

Longevity-Diagnostik in Deutschland

Der Begriff „Longevity" ist allgegenwärtig. Tech-Unternehmer Bryan Johnson gibt nach eigenen Angaben Millionenbeträge pro Jahr aus, um seinen Körper engmaschig zu messen und zu optimieren. Die zugrunde liegende Idee ist dabei nicht neu: Ziel ist es, nicht nur die Lebensspanne (Lifespan), sondern vor allem die Gesundheitsspanne (Healthspan) zu verlängern, also die Anzahl der Jahre in guter körperlicher und geistiger Verfassung.

Abseits dieses öffentlichen Hypes entwickelt sich in der seriösen Medizin ein klar definierter Ansatz: datengetriebene Prävention. Es geht nicht um Wundermittel, sondern um die systematische Anwendung moderner Diagnostik, um Gesundheitsrisiken möglichst früh zu erkennen – idealerweise Jahre, teils sogar Jahrzehnte vor dem Auftreten klinischer Symptome. Diese Form einer erweiterten, strukturierten Präventionsdiagnostik ist inzwischen auch in Deutschland angekommen.

Dieser Artikel erklärt, was sich hinter den Schlagworten verbirgt: welche Methoden wissenschaftlich fundiert sind, welche Biomarker tatsächlich relevant sind und wie ein umfassender Gesundheitsstatus heute aussehen kann – deutlich über das hinaus, was ein Standard-Check-up leisten kann.

Was ist biologisches Alter, und warum ist es wichtig?

Dein chronologisches Alter ist die Zahl auf deinem Ausweis. Sie beschreibt, wie viele Jahre seit deiner Geburt vergangen sind. Dein biologisches Alter versucht dagegen, den funktionellen Zustand deines Körpers auf zellulärer, molekularer und organbezogener Ebene abzubilden. Gemeint ist also nicht einfach, wie alt du bist, sondern wie stark dein Organismus biologisch bereits beansprucht oder verändert ist.

Zwei Menschen können beide 50 Jahre alt sein. Der eine weist Marker und Funktionswerte auf, die eher zu einem jüngeren Organismus passen, der andere eher zu einem älteren. Daraus folgt kein exaktes individuelles Schicksal, aber es ergibt sich eine unterschiedliche statistische Risikokonstellation. Genau deshalb ist biologisches Alter als Konzept für die Präventionsmedizin interessant: Es kann helfen, Unterschiede im Alterungsprozess sichtbar zu machen, die das chronologische Alter allein nicht erfasst.

Wichtig ist dabei die saubere Einordnung. Das biologische Alter ist keine Diagnose. Es ist auch kein endgültiges Urteil über deinen Gesundheitszustand. Es handelt sich um einen prognostischen, modellbasierten Indikator, der zusammen mit anderen klinischen Informationen interpretiert werden muss. Sein eigentlicher Wert liegt darin, eine Baseline zu schaffen und die Motivation zu steigern.

Die Wissenschaft hinter epigenetischen Uhren: DNA-Methylation und biologische Alterung

Die derzeit am besten untersuchten Verfahren zur Schätzung biologischer Alterung basieren auf der Epigenetik, insbesondere auf Mustern der DNA-Methylation (Horvath, Genome Biol 2013). Deine DNA selbst bleibt über das Leben hinweg weitgehend gleich. Was sich verändert, ist unter anderem die Regulation dieser DNA – also welche Gene in welchem Ausmaß aktiv oder stillgelegt werden. Einer der wichtigsten Mechanismen dabei ist die DNA-Methylation.

Dabei werden Methylgruppen an bestimmte Stellen der DNA angehängt. Diese Markierungen verändern nicht den genetischen Code selbst, beeinflussen aber, wie Gene abgelesen werden. Mit zunehmendem Alter verändern sich viele dieser Methylierungsmuster in systematischer Weise. Genau daraus entstand die Idee, aus diesen Veränderungen mathematische Modelle abzuleiten, die Alter oder Alterungsgeschwindigkeit schätzen können.

Der wissenschaftliche Reiz dieser Methode liegt darin, dass sie näher an biologischen Prozessen ist als das Geburtsdatum. Dennoch muss man seriös bleiben: Epigenetische Uhren messen nicht „das wahre Alter" eines Menschen im absoluten Sinn. Sie bilden bestimmte biologische Muster ab, die mit Alter, Morbidität und Mortalität assoziiert sind. Je nach Modell messen sie dabei unterschiedliche Dinge – manche eher chronologisches Alter, manche eher Krankheitslast oder Sterblichkeitsrisiko, andere eher die Geschwindigkeit, mit der sich Alterungsprozesse vollziehen (Teschendorff & Horvath, Nat Rev Genet 2025).

Wie DNA-Methylation das Alter schätzt

Forscher haben Algorithmen entwickelt, die Methylierungsmuster an vielen Stellen im Genom analysieren und daraus eine Alters- oder Alterungsschätzung ableiten. Diese Modelle werden als epigenetische Uhren bezeichnet. Sie vergleichen die gemessenen Muster mit Referenzpopulationen und berechnen daraus einen Wert, der in Jahren oder als Geschwindigkeit der Alterung interpretiert werden kann.

Entscheidend ist, dass diese Uhren nicht alle dasselbe leisten. Manche sind dafür optimiert, möglichst gut mit dem chronologischen Alter zu korrelieren. Andere wurden gezielt darauf trainiert, Gesundheitsoutcomes wie Morbidität oder Mortalität besser vorherzusagen. Wieder andere versuchen, die Dynamik der Alterung abzubilden, also wie schnell jemand biologisch altert. Gerade für die Prävention ist dieser Unterschied zentral, weil eine reine Alterskorrelation klinisch weniger relevant sein kann als eine gute Vorhersage von Risiko oder Tempo biologischer Veränderung.

Welche Biomarker sind tatsächlich prognostisch wertvoll?

Ein einzelner Wert sagt selten genug aus. Gesundheitsrisiken entstehen fast nie monokausal, sondern aus dem Zusammenspiel vieler Prozesse. Genau deshalb ist die isolierte Betrachtung einzelner Marker zwar einfach, klinisch aber oft unzureichend. Erst die Zusammenschau mehrerer sorgfältig ausgewählter Biomarker ergibt ein Bild, das präventiv sinnvoll genutzt werden kann.

Eine moderne Longevity-Diagnostik sollte sich deshalb nicht auf exotische Marker konzentrieren, sondern zuerst auf Parameter, die prognostisch belastbar, biologisch plausibel und möglichst handlungsrelevant sind. Gerade in der kardiometabolischen Medizin gibt es einige Marker, deren Nutzen deutlich besser belegt ist als der vieler populärer Wellness-Tests.

Kardiovaskuläres Risiko neu bewerten: ApoB, Lp(a) und hs-CRP

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin die häufigste Todesursache. In der Routineversorgung wird das Risiko oft über LDL-Cholesterin eingeschätzt. Das ist sinnvoll, aber unvollständig. LDL-C misst die Cholesterinmenge innerhalb bestimmter Partikel, nicht die Anzahl aller atherogenen Partikel selbst. Genau dort setzt ApoB an.

ApoB (Apolipoprotein B): Jedes potenziell atherogene Lipoproteinpartikel trägt ein ApoB-Molekül. Deshalb spiegelt ApoB näherungsweise die Anzahl dieser Partikel wider. Das ist klinisch relevant, weil die Partikelanzahl für die Entstehung von Atherosklerose oft aussagekräftiger ist als die bloße Cholesterinmenge. Die Evidenz der vergangenen Jahre stützt, dass ApoB die atherogene Last etwas präziser abbilden kann als LDL-C allein (Marston et al., JAMA Cardiol 2022).

Lp(a) (Lipoprotein(a)): Lp(a) ist ein weitgehend genetisch determinierter Risikofaktor für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zum Teil auch für Aortenklappenerkrankungen. Gerade weil der Wert stark erblich geprägt ist und im Lebensverlauf meist relativ stabil bleibt, ist er für die Risikostratifizierung wichtig. Viele Menschen kennen ihren Wert nicht, weil er im Standard-Lipidprofil nicht enthalten ist (Kronenberg et al., EAS Consensus Statement, Eur Heart J 2022).

hs-CRP (hochsensitives C-reaktives Protein): hs-CRP ist ein Marker für niedriggradige systemische Entzündung. Es ist kein spezifischer Atherosklerosemarker, aber chronische Inflammation spielt eine wichtige Rolle in der Entstehung und Progression vaskulärer Erkrankungen. Die JUPITER-Studie zeigte, dass erhöhte hs-CRP-Werte mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert sind und dass eine Intervention bei bestimmten Risikokonstellationen klinisch relevant sein kann (Ridker et al., NEJM 2008). Gleichzeitig gilt: hs-CRP muss immer im Kontext interpretiert werden, weil auch Infekte, Verletzungen oder andere Entzündungsprozesse den Wert beeinflussen können.

Zusammen liefern ApoB, Lp(a) und hs-CRP ein differenzierteres Bild als die alleinige Betrachtung von Gesamtcholesterin und LDL-C (Ridker et al., NEJM 2024).

Stoffwechselgesundheit jenseits des Blutzuckers: HOMA-Index und OGTT

Auch Typ-2-Diabetes entsteht meist nicht plötzlich, sondern über Jahre. Lange bevor Nüchternblutzucker oder HbA1c auffällig werden, bestehen oft bereits metabolische Veränderungen, insbesondere eine Insulinresistenz. Genau dort liegt die Schwäche vieler Standard-Check-ups: Sie erkennen Störungen häufig erst relativ spät.

HOMA-Index (Homeostasis Model Assessment): Der HOMA-Index wird aus Nüchterninsulin und Nüchternglukose berechnet (Matthews et al., Diabetologia 1985). Er ist kein perfekter Goldstandard, aber ein praktikabler Näherungswert für die Insulinresistenz im klinischen Alltag. Sein Nutzen liegt darin, frühe Stoffwechselveränderungen sichtbar zu machen, bevor klassische Diabetesdiagnostik pathologisch wird.

OGTT (oraler Glukosetoleranztest): Der OGTT misst, wie der Körper auf eine definierte Glukosebelastung reagiert. Er ist deutlich sensitiver als ein einzelner Nüchternwert, wenn es darum geht, Prädiabetes oder frühe Störungen der Glukoseregulation zu erkennen (ADA Standards of Care 2025). Gerade bei Menschen mit Übergewicht, familiärer Belastung, metabolischem Syndrom oder unklaren Nüchternwerten ist er oft informativer als ein simples Standardlabor.

Für die Prävention ist das wichtig: Wer eine Insulinresistenz erst erkennt, wenn der Diabetes bereits manifest ist, hat Jahre potenzieller Interventionszeit verloren.

Longevity-Diagnostik vs. Standard-Gesundheitscheck

Der gesetzliche Check-up ist sinnvoll und wichtig, aber er ist bewusst als Basisvorsorge konzipiert. Ab 35 Jahren kann die Gesundheitsuntersuchung in der GKV in der Regel alle drei Jahre in Anspruch genommen werden. Zum Leistungsumfang gehören Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutdruckmessung, Beratung zu Risikofaktoren sowie Laboruntersuchungen wie Lipidprofil und Glukose; Urinuntersuchungen sind ab 35 ebenfalls vorgesehen (G-BA Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie). Der Check-up ist also keineswegs bedeutungslos – er ist nur in seiner diagnostischen Tiefe klar begrenzt.

Genau hier setzt eine erweiterte Präventionsdiagnostik an. Der Unterschied liegt nicht allein in einer höheren Zahl an Laborwerten, sondern in der Breite und Tiefe der Datenerhebung:

Beim Standard-Check-up werden vor allem häufige Volkskrankheiten grob gescreent. Erweiterte Longevity-Diagnostik versucht dagegen, Risikoachsen früher, differenzierter und stärker individualisiert abzubilden. Dazu gehören je nach Setup etwa erweiterte Lipidmarker, Stoffwechselmarker, Funktionsdiagnostik, Ultraschall, Leistungsparameter, Körperzusammensetzung und – wenn sinnvoll – weiterführende Bildgebung.

Der relevante Punkt ist also nicht „mehr ist immer besser", sondern: Werden die zusätzlichen Daten medizinisch sauber ausgewählt, korrekt interpretiert und in einen priorisierten Handlungsplan übersetzt? Ohne diese Integration bleibt selbst ein großes Laborpanel bloße Datensammlung.

Die nächste Stufe der Prävention: Bildgebung und molekulare Diagnostik

Für Menschen mit erhöhtem Informationsbedürfnis oder spezifischen Risikokonstellationen kommen oft weiterführende Verfahren ins Spiel. Dazu zählen insbesondere Bildgebung und molekulare Testverfahren.

Ganzkörper-MRT: Strukturelle Analyse ohne ionisierende Strahlung

Ein Ganzkörper-MRT kann strukturelle Auffälligkeiten in mehreren Organregionen sichtbar machen, ohne mit ionisierender Strahlung zu arbeiten. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber CT-basierten Untersuchungen. Auffällig werden können unter anderem Raumforderungen, Zysten, Gefäßveränderungen oder bestimmte entzündliche Prozesse.

Gleichzeitig ist Zurückhaltung wichtig. Ein Ganzkörper-MRT ist kein universeller Ersatz für etablierte Vorsorgeuntersuchungen und auch kein Garant für „frühe Sicherheit". Es kann Zufallsbefunde erzeugen, die weitere Diagnostik nach sich ziehen, obwohl sich später kein klinisch relevantes Problem bestätigt (Kwee & Kwee, J Magn Reson Imaging 2019). Genau deshalb muss der Einsatz solcher Verfahren immer in ein gutes ärztliches Gesamtkonzept eingebettet sein.

Liquid Biopsy: Krebsfrüherkennung aus dem Blut

Kaum ein Thema wird derzeit so intensiv diskutiert wie Liquid Biopsy. Gemeint sind Bluttests, die zirkulierende Tumorbestandteile wie ctDNA oder andere tumorassoziierte Signale erfassen sollen. Die Idee ist attraktiv: Krebs möglichst früh über eine Blutprobe erkennen, idealerweise noch bevor Symptome oder bildgebende Auffälligkeiten entstehen.

Die Technologie ist wissenschaftlich spannend, aber man muss hier besonders seriös formulieren. Für die allgemeine bevölkerungsweite Krebsfrüherkennung ist Liquid Biopsy derzeit noch nicht als Ersatz etablierter Screeningverfahren validiert. Aktuelle Übersichtsarbeiten und Leitlinien zeigen, dass ctDNA-basierte Verfahren bereits in bestimmten onkologischen Kontexten – etwa bei fortgeschrittener Erkrankung oder zur molekularen Charakterisierung – klinisch relevant sind. Für das breite Screening asymptomatischer Menschen ist die Evidenz dagegen deutlich zurückhaltender. Falsch-positive Befunde, falsch-negative Ergebnisse, unklare Folgeschritte und Fragen des tatsächlichen Outcome-Nutzens sind weiter offen (Pascual et al., ESMO-Empfehlung, Ann Oncol 2022). Deshalb sollte Liquid Biopsy derzeit als ergänzendes, forschungsnahes, sich entwickelndes Verfahren verstanden werden, nicht als Ersatz für etablierte Vorsorgeprogramme wie Koloskopie, Mammographie oder zervikale Krebsfrüherkennung.

Genomik und Mikrobiomik: Der Blick in den Code des Lebens

Auch Genomik und Mikrobiomik werden oft unter dem Begriff Longevity-Diagnostik zusammengefasst. Beide Bereiche haben Potenzial, werden im Markt aber häufig zu simpel dargestellt.

Medizinische Genetik

Mittels Whole-Exome- oder Whole-Genome-Sequenzierung lassen sich genetische Varianten identifizieren, die mit erhöhten Risiken für bestimmte Erkrankungen assoziiert sind. Der Nutzen ist am größten, wenn aus einem Befund klare Konsequenzen folgen: etwa intensivere Vorsorge, gezielte Familienabklärung, pharmakogenetische Anpassungen oder konkrete therapeutische Entscheidungen (ACMG SF v3.2, Miller et al., Genet Med 2023).

Nicht jede genetische Information ist automatisch klinisch wertvoll. Viele Varianten erhöhen Risiken nur geringfügig oder sind in ihrer Bedeutung unsicher. Gute medizinische Genetik zeichnet sich deshalb dadurch aus, dass zwischen wirklich handlungsrelevanten Befunden und rein interessanten Daten sauber unterschieden wird.

Mikrobiomik

Die Darmmikrobiota beeinflusst Stoffwechsel, Immunfunktion und wahrscheinlich auch systemische Prozesse, die mit Gesundheit und Krankheit zusammenhängen. Die Forschung dazu wächst rasant. Gleichzeitig ist die klinische Übersetzung noch in vielen Bereichen begrenzt (Porcari et al., Internationaler Konsens, Lancet Gastroenterol Hepatol 2025). Das Mikrobiom ist dynamisch, individuell und stark von Ernährung, Medikamenten, Infekten und Alltagseinflüssen geprägt. Eine Mikrobiomanalyse kann interessante Hinweise liefern, sollte aber nicht suggerieren, dass aus jedem Befund eine klare, hochpräzise Therapie ableitbar ist.

Die YEARS-Herangehensweise: strukturierte Prävention statt lose Datensammlung

Der eigentliche Unterschied zwischen gut gemachter Präventionsdiagnostik und oberflächlichem Longevity-Marketing liegt am Ende nicht in einem einzelnen „Hightech-Test", sondern im Gesamtsystem. Daten haben nur dann medizinischen Wert, wenn sie sinnvoll ausgewählt, sauber interpretiert und in konkrete Prioritäten übersetzt werden.

Genau deshalb ist ein strukturierter Ansatz entscheidend: Anamnese, Labor, Bildgebung, Funktion, Körperzusammensetzung und Verlaufsmessung müssen zusammengeführt werden. Erst daraus entsteht ein Bild, das wirklich handlungsrelevant ist. In einem solchen Setup geht es nicht darum, möglichst viele exotische Marker zu sammeln, sondern darum, die biologisch und klinisch relevanten Hebel früh zu identifizieren: kardiovaskuläres Risiko, metabolische Dysfunktion, Entzündungsaktivität, Leistungsfähigkeit, Körperkomposition, Schlaf, Stresslast und gegebenenfalls genetische oder bildgebende Auffälligkeiten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Longevity-Diagnostik

Wie genau sind biologische Alterstests?

Epigenetische Uhren sind wissenschaftliche Forschungs- und Prognoseinstrumente. Sie sind keine exakten Diagnosen und auch keine perfekte Vorhersage für das einzelne Individuum. Ihre Stärke liegt in der Risikostratifizierung und in der Verlaufsbeobachtung, besonders wenn sie zusammen mit anderen klinischen Daten betrachtet werden. Modelle wie GrimAge und DunedinPACE zeigen in Studien eine relevante Assoziation mit Morbidität und Mortalität (Lu et al., Aging 2019; Belsky et al., eLife 2022).

Kann man das biologische Alter senken?

Hier sollte man sauber formulieren. Es gibt Hinweise, dass Lebensstilinterventionen und andere Maßnahmen epigenetische Muster beeinflussen können (Waziry et al., CALERIE-RCT, Nat Aging 2023). Was genau das langfristig für harte klinische Endpunkte bedeutet, ist allerdings nicht in allen Bereichen abschließend geklärt. Seriöser ist daher die Aussage: Man kann Alterungsdynamiken und Risikoprofile wahrscheinlich beeinflussen; ob und in welchem Ausmaß sich dadurch „biologisches Alter" im engeren Sinn dauerhaft senken lässt, hängt stark vom Messverfahren und vom klinischen Kontext ab.

Was kostet eine erweiterte Longevity-Diagnostik in Deutschland?

Die Kosten variieren stark je nach Tiefe des Programms, Umfang der Labordiagnostik, Bildgebung, Funktionstests und ärztlicher Auswertung. Zwischen Basisprävention und High-End-Diagnostik liegen erhebliche Unterschiede. Entscheidend ist weniger der Preis allein als die Frage, ob aus den erhobenen Daten konkrete medizinische Schritte folgen.

Wie oft sollte man solche Checks machen?

Eine jährliche Wiederholung ist in vielen Fällen sinnvoll, weil Präventionsmedizin von Trends lebt. Einzelmessungen sind nützlich, Verlaufsdaten sind deutlich stärker. Wie häufig Kontrollen sinnvoll sind, hängt aber vom Alter, der Risikokonstellation, der Ausgangsbefundlage und den eingeleiteten Maßnahmen ab.

Quellen

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Belsky DW, Caspi A, Corcoran DL, et al. DunedinPACE, a DNA methylation biomarker of the pace of aging. eLife. 2022;11:e73420. doi:10.7554/eLife.73420

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Lu AT, Quach A, Wilson JG, et al. DNA methylation GrimAge strongly predicts lifespan and healthspan. Aging (Albany NY). 2019;11(2):303–327. doi:10.18632/aging.101684

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