YEARS vs Superpower: Longevity Diagnostik Vergleich 2026
Der Longevity Markt wächst schnell. Mit ihm wächst die Verwirrung. Auf der einen Seite stehen digitale Plattformen wie Superpower, auf der anderen Seite Kliniken wie YEARS: Was steckt dahinter?

YEARS vs. Superpower
Der Markt für Longevity-Medizin wächst schnell. Mit ihm wächst die Verwirrung. Auf der einen Seite stehen digitale Plattformen wie Superpower, die mit Slogans wie „100+ Biomarker für 199 US-Dollar pro Jahr“ werben. Auf der anderen Seite steht YEARS in Berlin, dessen Programme bei 1.900 Euro beginnen. Auf den ersten Blick wirkt das wie der Vergleich zwischen Fahrrad und Sportwagen.
Die eigentliche Frage ist konkreter: Was bekommst du für dein Geld? Wo beginnt seriöse Präventionsmedizin, wo endet datengetriebenes Marketing? Dieser Artikel liefert eine fundierte und transparente Analyse beider Modelle. Verglichen werden Geschäftsphilosophie, diagnostische Tiefe, tatsächliche Kosten und wissenschaftliche Grundlage, damit du eine Entscheidung treffen kannst, die zu deinen Zielen, deinem Budget und deinem Anspruch an medizinische Gründlichkeit passt.
Geschäftsmodelle im Vergleich: Wo liegt der Fokus?
Superpower: Tech-First-Abo mit KI-Interpretation
Superpower ist eine software- und datengetriebene Plattform. Das Modell basiert auf einem Abonnement: Du zahlst einen jährlichen Beitrag und kannst regelmäßig Bluttests durchführen. Die Proben werden entweder zu Hause entnommen oder über Partnerlabore abgegeben.
Die Ergebnisse landen in einer App und werden algorithmisch ausgewertet. Daraus entstehen Empfehlungen, häufig zu Nahrungsergänzung oder Lebensstil. Der gesamte Prozess ist auf Skalierbarkeit und minimale menschliche Interaktion ausgelegt. Du interagierst primär mit Software, meistens nicht mit einem Arzt.
YEARS: Klinische Diagnostik mit ärztlicher Begleitung
YEARS ist eine ärztlich geführte Präventionsklinik in Berlin-Charlottenburg. Das Modell basiert nicht auf einem Abo, sondern auf einem kompakten Diagnostiktag vor Ort. Je nach Programm dauert dieser sechs bis neun Stunden.
Neben Blutwerten werden bildgebende und umfangreiche funktionelle Untersuchungen durchgeführt. Danach folgt eine sehr umfangreiche ärztliche Auswertung. Du erhältst einen strukturierten medizinischen Bericht und führst ein persönliches Strategiegespräch mit einem Arzt. Der Fokus liegt klar auf medizinischer Präzision.
Biomarker-Analyse: Echte Messungen vs. berechnete Werte
Die Anzahl der Biomarker ist ein häufig genutztes Marketingargument. Allein sagt sie wenig über die Qualität der Diagnostik aus.
Was Superpower als „100+ Biomarker“ bewirbt
Superpower spricht von über 100 Biomarkern. Diese Angabe wurde öffentlich diskutiert, unter anderem im Kontext rechtlicher Auseinandersetzungen mit Function Health (2026). Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie viele Werte tatsächlich direkt gemessen werden und wie viele daraus berechnet sind.
Ein Beispiel: LDL, HDL und Gesamtcholesterin sind direkte Messwerte. Das Verhältnis daraus ist ein abgeleiteter Index. Solche Indizes sind sinnvoll, aber keine eigenständigen Messungen. Problematisch wird es dann, wenn Erwartung und tatsächliche Messung auseinandergehen.
YEARS Ultimate mit 230+ analysierten Markern
Das Programm YEARS Ultimate® umfasst über 230 Biomarker. Ziel ist ein möglichst vollständiges biochemisches Profil.
Dazu gehören unter anderem:
- Erweiterte Lipidologie: ApoB, Lp(a), oxidiertes LDL → Die INTERHEART-Studie zeigte, dass ApoB/ApoA1 ein stärkerer Prädiktor für Herzinfarkte ist als klassische Cholesterinwerte (Yusuf et al., 2004)
- Entzündungsmarker: hs-CRP, Interleukin-6 → Erhöhtes hs-CRP ist mit einem deutlich höheren kardiovaskulären Risiko verbunden (Ridker et al., 2002)
- Stoffwechsel: Nüchternblutzucker, HOMA-Index, OGTT, Leptin
- Spezialisierte Marker: Autoimmunmarker, Aminosäurenprofile, Immunglobuline, Hormone (Cortisol, Testosteron, DHEA-S)
Welche Biomarker sind wirklich relevant?
Ein Biomarker bringt nur dann etwas, wenn daraus eine Handlung folgt. Lp(a) ist ein gutes Beispiel: genetisch determiniert, in Standard-Checks selten enthalten, aber ein relevanter Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen (Tsimikas, 2018).
Wenn du ihn nicht misst, kannst du ihn nicht berücksichtigen.
Diagnostische Tiefe: Bildgebung, Genetik und mehr
Hier liegt der größte Unterschied zwischen beiden Modellen.
Superpower: Fokus auf Blutanalysen
Das Modell ist auf Effizienz ausgelegt. Bluttests sind günstig, skalierbar und leicht zugänglich. Du bekommst Einblicke in biochemische Prozesse, aber keine Informationen über strukturelle Veränderungen im Körper.
YEARS: Kombination mehrerer diagnostischer Ebenen
YEARS ergänzt Blutanalysen um weitere Verfahren:
- Ganzkörper-MRT: Strahlenfreie Untersuchung von Kopf bis Becken → Kann strukturelle Veränderungen sichtbar machen, bevor sie sich im Blut zeigen
- Liquid Biopsy (TruCheck): Analyse zirkulierender Tumorzellen → Liefert Hinweise auf mögliche Krebsprozesse auf molekularer Ebene (wichtig: aktuell eher ergänzend, nicht als alleinige Diagnostik zu verstehen)
- Genetik (Ultimate®): Exom- und Genomsequenzierung → Identifikation vererbter Risiken und pharmakogenetischer Besonderheiten
- Epigenetik: DNA-Methylierung zur Abschätzung biologischen Alters → wissenschaftlich interessant, klinisch noch in Entwicklung
- 25+ Funktionelle Untersuchungen: Klinisch hoch relevante Untersuchungen wie VO2-Max testing, Fundoskopie, Lungenfunktionsuntersuchungen und vieles mehr
Kosten, Zugänglichkeit und Folgekosten
Superpower: Niedriger Einstieg, potenziell hohe Folgekosten
Die 199 US-Dollar pro Jahr sind bewusst niedrig. Einnahmen entstehen häufig über Zusatzempfehlungen, etwa Supplement-Protokolle. Diese können sich schnell auf mehrere hundert Dollar pro Monat summieren.
Auf ein Jahr gerechnet bist du schnell bei mehreren tausend Dollar, ohne zwingend ärztliche Bewertung.
YEARS: Klare Preise, definierter Leistungsumfang
- YEARS Core®: 1.900 €
- YEARS Evolve®: 7.600 €
- YEARS Ultimate®: 16.900 €
Diese Preise umfassen Diagnostik, ärztliche Auswertung und Abschlussgespräch. Es gibt keine verpflichtenden Zusatzkäufe.
Privatversicherte können Teile der Kosten über die GOÄ abrechnen. Die tatsächliche Erstattung hängt vom Tarif ab.
Medizinische Qualität: Wer bewertet deine Daten?
Bei Superpower erfolgt die Interpretation überwiegend algorithmisch. Ergänzend gibt es Health Coaches, deren Qualifikation variieren kann.
Bei YEARS wird jeder Befund fachärztlich erstellt und anschließend zusammengeführt. Das Abschlussgespräch führst du mit einem Facharzt, der deine gesamte Datenlage kennt.
Forschung: Daten vs. klinisches Register
Superpower
Daten werden gesammelt und zur Verbesserung der Plattform genutzt. Der Fokus liegt auf dem einzelnen Nutzer und dem Produkt.
YEARS
YEARS arbeitet mit einem „Clinic-as-a-Study“-Ansatz. Du kannst Teil eines Registers werden. Proben werden langfristig gespeichert und könnten in Zukunft erneut analysiert werden.
Das schafft eine Brücke zwischen individueller Diagnostik und Forschung.
Für wen eignet sich welches Modell?
Superpower passt zu dir, wenn du:
- kostengünstig erste Einblicke möchtest
- gerne mit Daten und Apps arbeitest
- jung bist und kein erhöhtes Risikoprofil hast
- in den USA lebst
YEARS passt zu dir, wenn du:
- maximale diagnostische Tiefe willst
- familiäre Risiken hast
- strukturelle Erkrankungen früh erkennen möchtest
- eine ärztliche Einordnung deiner Daten brauchst
- in Europa lebst
Fazit: Zwei Modelle, zwei Ansätze
Beide verfolgen das gleiche Ziel, gehen aber unterschiedliche Wege.
Superpower liefert dir Zugang zu Gesundheitsdaten und eignet sich für Tracking und erste Orientierung.
YEARS liefert dir eine umfassende medizinische Analyse mit ärztlicher Bewertung und deutlich größerer diagnostischer Tiefe.
Die entscheidende Frage ist: Reicht dir ein datengetriebener Überblick oder willst du eine fundierte medizinische Grundlage für weitreichende Gesundheitsentscheidungen?
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Häufige Fragen zu diesem Thema
Sind 100 Biomarker automatisch besser als 50?
Nein. Entscheidend ist, ob sie direkt gemessen werden und ob daraus konkrete Handlungen folgen. Viele Anbieter kommen auf hohe Zahlen, indem sie berechnete Werte und Verhältnisse mitzählen, die aus denselben Rohdaten stammen. Ein Panel mit 50 gut gewählten Markern, die ein Arzt für Deine Situation einordnet, ist mehr wert als 200 Werte in einem Dashboard, das Du selbst deuten sollst. Dazu kommt die Kehrseite der Breite: Mehr Messungen erzeugen mehr Auffälligkeiten, die abgeklärt werden wollen und sich häufig als bedeutungslos erweisen. Frag deshalb nicht nach der Anzahl, sondern danach, welche Marker enthalten sind und wer die Ergebnisse mit Dir bespricht.
Reicht ein Bluttest für Früherkennung aus?
Teilweise. Viele strukturelle Erkrankungen sind im Blut lange nicht sichtbar, weil sie erst dann Spuren hinterlassen, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben. Ein Aneurysma, eine Raumforderung in der Niere oder eine Veränderung an der Schilddrüse zeigen sich in der Bildgebung, nicht im Labor. Umgekehrt erfasst kein MRT eine Insulinresistenz im Frühstadium oder ein erhöhtes Lp(a). Blutdiagnostik und Bildgebung beantworten also unterschiedliche Fragen und ersetzen einander nicht. Für die organspezifische Krebsvorsorge gilt zusätzlich: Koloskopie und Mammographie sind für ihre jeweilige Krebsart die besser belegten Verfahren und sollten unabhängig von jedem Bluttest wahrgenommen werden. Beides gehört deshalb in ein vollständiges Bild, nicht eines statt des anderen.
Sind epigenetische Alterstests zuverlässig?
Sie liefern Hinweise, sind aber noch kein klinischer Standard. In großen Studienpopulationen korrelieren die Schätzungen mit Krankheitsrisiko und Sterblichkeit, das ist gut belegt. Der Sprung von der Population auf die einzelne Person ist genau der Punkt, an dem der Markt regelmäßig zu viel verspricht. Verschiedene Uhren liefern für dieselbe Probe unterschiedliche Werte, die Messgenauigkeit bei Wiederholung ist begrenzt, und es fehlt bislang der Nachweis, dass ein gesenktes epigenetisches Alter tatsächlich zu mehr gesunden Jahren führt. Als ergänzender Verlaufsparameter neben belastbaren Markern ist der Wert interessant. Als Kennzahl, an der Du Entscheidungen ausrichtest, taugt er nicht. Wir geben ihn deshalb mit Einordnung aus und nicht als isolierte Zahl.
Ist ein teurer Check-up immer sinnvoll?
Das hängt stark von Deinem Risiko, Deinem Alter und Deinem Ziel ab. Wer jung, beschwerdefrei und ohne familiäre Vorbelastung ist, bekommt den größten Erkenntnisgewinn pro Euro aus einem soliden Basisprogramm und braucht weder Ganzkörper-MRT noch Genomik. Ein hoher Preis rechtfertigt sich dort, wo ein konkreter medizinischer Grund für die zusätzliche Tiefe spricht, etwa eine familiäre Krebs- oder Herzbelastung oder ein bereits auffälliger Vorbefund. Mehr Diagnostik bedeutet nicht automatisch mehr Klarheit, sie bedeutet auch mehr unklare Befunde und mehr Folgeuntersuchungen. Ein seriöser Anbieter sagt Dir das im Erstgespräch auch dann, wenn es gegen das teurere Programm spricht. Genau das erwarten wir auch von jedem anderen Anbieter, den Du vergleichst.



