Nachschlagen · Labordiagnostik
Ein Blutbild ist eine Momentaufnahme. Hier wird sie lesbar.
Je nach Programm entstehen aus einer Blutabnahme hundert bis über zweihundert einzelne Messwerte. Dieses Lexikon erklärt nicht Deine Zahlen, sondern die Werte selbst. Zu jedem Biomarker findest Du dieselben drei Antworten: Was ist das, warum messen wir es, und was verrät dieser Wert über Deinen Körper.
Was ein Laborwert sagt und was nicht
Vier Dinge, die beim Lesen jedes einzelnen Werts gelten. Sie sind der Grund, warum hier keine Referenzbereiche stehen.
Ein Referenzbereich ist keine Zielvorgabe
Der Bereich auf Deinem Befund beschreibt, was bei der Mehrheit einer gesunden Vergleichsgruppe gemessen wurde. Er ist eine statistische Aussage, keine medizinische Empfehlung. Rechnerisch liegt immer ein Teil gesunder Menschen außerhalb. Umgekehrt kann ein Wert am oberen Rand des Bereichs für Dich schon eine Verschiebung bedeuten. In der Präventionsmedizin arbeiten wir deshalb an mehreren Stellen mit engeren Zielbereichen, als der Referenzbereich des Labors sie vorgibt.
Der Verlauf ist stärker als der Einzelwert
Fast jeder Wert schwankt. Von Tag zu Tag, mit Deiner Ernährung, Deinem Schlaf, Deinem Trainingszustand, Deinem Zyklus. Wie groß diese natürliche Schwankung ist, unterscheidet sich von Wert zu Wert. Der eigentliche Erkenntnisgewinn entsteht, wenn wir denselben Wert nach Monaten unter vergleichbaren Bedingungen erneut messen. Eine Richtung, die deutlich über die übliche Schwankung hinausgeht, ist aussagekräftiger als eine einzelne Zahl, und genau dafür sind wiederholte Messungen im Programm vorgesehen.
Kein Wert steht für sich
Viele Marker ergeben erst im Zusammenspiel Sinn. Eisen ohne Ferritin und Transferrin ist kaum zu deuten. Ein Schilddrüsenwert ist erst zusammen mit den freien Schilddrüsenhormonen einzuordnen. Ein positiver Autoimmunbefund ohne Beschwerden ist für sich genommen noch keine Erkrankung und wird im Zusammenhang mit dem übrigen Befund beurteilt. Deshalb bewerten wir Muster, nicht einzelne Zeilen.
Auffällig heißt nicht krank
Ein einzelner Pfeil auf Deinem Befund ist zuerst eine Einladung, genauer hinzusehen. Häufig steckt eine harmlose Erklärung dahinter, ein Infekt, eine anstrengende Woche, ein Messeffekt. Manchmal ist es ein früher Hinweis, der uns Zeit verschafft. Welche der beiden Möglichkeiten zutrifft, ordnet Dein Befundgespräch ein.
Die Werte, nach Programm sortiert
Die Kapitel bauen aufeinander auf. Evolve und Ultimate enthalten alle Core-Werte ebenfalls, deshalb steht jeder Wert nur dort, wo er neu hinzukommt.
Core
100 WerteIn jedem YEARS Programm enthalten
Hämatologie & Blutbild · Leber, Enzyme & Entzündung · Niere, Elektrolyte & Eiweiß · Lipidstatus, Diabetes & Eisenstoffwechsel · Harndiagnostik · Endokrinologie, Gerinnung & Immunologie
Evolve
122 WerteAb Evolve, zusätzlich zu Core · 22 neu
Herz-Kreislauf & Fettsäuren · Hormone & Endokrinologie · Vitamine, Spurenelemente & Longevity · Krebsfrüherkennung
Ultimate
245 WerteIm Ultimate, zusätzlich zu Evolve · 123 neu
Infektionsdiagnostik · Erweiterte Gerinnungsdiagnostik · Erweiterte Basis-, Leber- & Nierendiagnostik · Erweiterte Herz-Kreislauf-Diagnostik · Fettsäureprofil · Erweiterte Hormondiagnostik · Immunsystem & Autoimmunität · Immunzell-Differenzierung · Mikronährstoffe & Longevity-Marker · Lebensstil- & Expositionsmarker · Aminosäureanalyse · Proteinbausteine · Aminosäureanalyse · Stoffwechselprodukte
Glossar
Begriffe, die Dir in Deinem Befund und in diesem Lexikon immer wieder begegnen.
- Absolutwert
- Die tatsächlich gezählte Menge einer Zellart in einer definierten Blutmenge. Verlässlicher als der Prozentanteil, weil er sich nicht verschiebt, wenn eine andere Zellart zu- oder abnimmt.
- Antigen
- Eine Struktur, die Dein Immunsystem erkennen kann, etwa ein Eiweiß auf der Hülle eines Virus. Meist sind es fremde, gelegentlich auch körpereigene Merkmale. Der Nachweis eines Antigens spricht für den Erreger selbst, nicht nur für die Immunantwort.
- Antikörper
- Ein Eiweiß, das Dein Immunsystem gegen ein bestimmtes Antigen bildet. Antikörper zeigen an, dass Dein Körper einem Erreger begegnet ist oder geimpft wurde. Sie können sich auch gegen körpereigene Strukturen richten.
- Biomarker
- Ein messbares Merkmal im Körper, das einen Zustand oder ein Risiko abbildet. In diesem Buch ist jeder einzelne Laborwert ein Biomarker.
- Elektrophorese
- Ein Verfahren, das die Eiweiße Deines Blutes in einem elektrischen Feld nach ihrer Ladung und Wanderungsgeschwindigkeit in Fraktionen auftrennt. Die Verschiebung zwischen den Fraktionen ist der eigentliche Befund.
- Enzym
- Ein Eiweiß, das eine chemische Reaktion im Körper beschleunigt. Steigen im Blut Enzyme an, die eigentlich innerhalb von Zellen arbeiten, kann das auf eine Belastung des jeweiligen Gewebes hinweisen.
- Hämolyse
- Der Zerfall roter Blutkörperchen. Er kann im Körper stattfinden oder erst in der Blutprobe. Tritt er in der Probe auf, verfälscht er einzelne Werte, die dann üblicherweise aus einer neuen Probe bestimmt werden.
- high sensitive
- Ein besonders empfindliches Messverfahren. Es erfasst noch sehr niedrige Konzentrationen und macht damit Veränderungen sichtbar, die ein Standardtest übersieht.
- Hormonachse
- Die Regelkette zwischen Gehirn, Hirnanhangsdrüse und einer Drüse im Körper. Erst das Zusammenspiel der Werte einer Achse ist zu deuten, nicht der Einzelwert.
- Index
- Ein aus mehreren Messwerten berechneter Kennwert, der eine Situation verdichtet. Der HOMA-Index etwa verbindet den nüchtern gemessenen Blutzucker und das nüchtern gemessene Insulin zu einer Aussage über eine mögliche Insulinresistenz.
- nüchtern
- Ohne Nahrung und ohne gezuckerte Getränke über eine festgelegte Zeit vor der Blutentnahme, üblicherweise über Nacht. Nur so sind Zucker-, Insulin- und Triglyceridwerte untereinander vergleichbar.
- oGTT
- Oraler Glucosetoleranztest. Nach einer Blutentnahme im Nüchternzustand trinkst Du eine definierte Glucoselösung, danach wird erneut Blut abgenommen. Der Test zeigt, wie Dein Körper eine definierte Zuckermenge verarbeitet.
- Rechenwert
- Ein Wert, der nicht gemessen, sondern aus anderen Messwerten berechnet wird. Er ist deshalb nicht weniger nützlich, hängt aber von der Qualität der zugrunde liegenden Messungen und von der verwendeten Formel ab.
- Ratio
- Das Verhältnis zweier Werte zueinander. Verhältnisse sind oft aussagekräftiger als Einzelwerte, weil sich Einflüsse herauskürzen, die beide Werte gemeinsam betreffen. Im Urin wird deshalb auf das Kreatinin bezogen, um unterschiedliche Verdünnung auszugleichen.
- Referenzbereich
- Der Bereich, in dem die Werte der Mehrheit einer gesunden Vergleichsgruppe liegen. Eine statistische Beschreibung, keine individuelle Zielvorgabe.
- Serologie
- Die Untersuchung des Blutserums, meist der Nachweis von Antikörpern. Sie zeigt die Immunantwort auf einen Erreger, nicht zwangsläufig eine aktive Infektion.
- Spurenelement
- Ein Mineralstoff, den Dein Körper nur in sehr kleinen Mengen braucht, ohne den aber wichtige Enzyme und Hormone nicht entstehen. Zink, Selen und Jod gehören dazu.
- Sediment
- Die festen Bestandteile des Urins, die nach dem Zentrifugieren unter dem Mikroskop beurteilt werden. Zellen, Zylinder, Kristalle und Bakterien werden dabei direkt gesehen.
- Turbidimetrie
- Ein Messverfahren, das aus der Trübung einer Probe auf die Menge eines Stoffes schließt. Wird für viele Eiweißbestimmungen genutzt.
- Verlaufskontrolle
- Die erneute Messung desselben Wertes nach einer festgelegten Zeit. Sie gehört zu den aussagekräftigsten Werkzeugen der Präventionsmedizin, weil die Richtung einer Veränderung mehr sagt als der einzelne Wert.
Nimm die Fragen mit ins Befundgespräch
Der wertvollste Teil eines Check-ups ist nicht die Blutabnahme, sondern das Gespräch danach. Dort werden aus vielen Zeilen die wenigen Themen, die für Dich tatsächlich zählen. Schreib beim Lesen auf, was Dich interessiert. Nichts davon ist zu klein, und keine Frage ist zu grundlegend.
Was Du früh siehst, kannst Du früh einordnen.
Wichtiger Hinweis
Dieses Buch dient der allgemeinen Information und dem besseren Verständnis der Laborparameter, die im Rahmen Deines YEARS Programms bestimmt werden. Es ersetzt keine medizinische Beratung, keine Diagnose und keine Behandlung.
Die Erklärungen sind bewusst allgemein gehalten und enthalten keine Referenzbereiche oder Zielwerte. Deine individuellen Werte, ihre Bewertung und alle sich daraus ergebenden Empfehlungen bespricht ausschließlich Deine Ärztin oder Dein Arzt mit Dir. Bitte ziehe aus diesem Buch keine eigenen diagnostischen Schlüsse und ändere insbesondere keine verordnete Medikation eigenständig.
Bei akuten Beschwerden wende Dich bitte unmittelbar an Deine Ärztin, Deinen Arzt oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst. In einem medizinischen Notfall verständige bitte den Rettungsdienst.
Der Umfang der Programme kann sich weiterentwickeln. Maßgeblich für die in Deinem Programm bestimmten Parameter ist stets das Dir vorliegende Lab Panel.
Quelle: YEARS Patientenhandbuch „Deine Laborwerte verstehen", Ausgabe 2026, Stand August 2026. Der Umfang der Programme kann sich weiterentwickeln — maßgeblich ist stets das Dir vorliegende Lab Panel.