Zurück zur Übersicht

Lifespan – Das Ende des Alterns: Was heute messbar ist | YEARS

Das Buch Lifespan – Das Ende des Alterns(Originaltitel: Lifespan: Why We Age – and Why We Don't Have To) hat eine Welle losgetreten, die weit über die Nische der Longevity-Forschung hinausreicht…

Von Niko Hems, M.Sc.Veröffentlicht am 27. August 20269 Min. Lesezeit
Medizinisch geprüft von Doctor-medic Alexandru ArdeleanFacharzt für Innere Medizin
YEARS Arzt führt Ultraschall durch

Was steckt hinter 'Lifespan – Das Ende des Alterns'?

Das Buch Lifespan – Das Ende des Alterns (Originaltitel: Lifespan: Why We Age – and Why We Don't Have To) hat eine Welle losgetreten, die weit über die Nische der Longevity-Forschung hinausreicht. Der Autor David Sinclair ist Professor für Genetik an der Harvard Medical School und forscht seit über 25 Jahren an den molekularen Mechanismen des Alterns. Seine zentrale These: Altern sollte als behandelbarer biologischer Prozess verstanden werden und wird von Sinclair teilweise ausdrücklich als Krankheit bezeichnet.

Diese Idee, verpackt in eine zugängliche Erzählung des Co-Autors Matthew LaPlante, hat das Thema aus den Laboren in die Bestsellerlisten katapultiert. Sinclair argumentiert, dass wir die biologischen Prozesse, die zu Verfall und Krankheit führen, verstehen und gezielt beeinflussen können. Das Buch wurde zum Manifest einer Bewegung, die nicht nur länger leben, sondern vor allem länger gesund leben will.

Mit dem Hype kamen auch die Kontroversen. Sinclairs Thesen zu Nahrungsergänzungsmitteln wie Resveratrol oder NMN sind in der wissenschaftlichen Gemeinschaft umstritten oder basieren auf Tierstudien, deren Übertragbarkeit auf den Menschen noch nicht belegt ist.

Hier lohnt eine klare Einordnung: David Sinclair ist ein einflussreicher Forscher, aber kein praktizierender Arzt. Sein Buch baut auf soliden wissenschaftlichen Grundlagen auf, enthält aber auch Hypothesen im experimentellen Stadium. Dieser Artikel übersetzt seine zentralen Ideen in die klinische Realität und zeigt, was davon heute an Deinem eigenen Körper messbar ist. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, gibt Dir aber die Werkzeuge, um die richtigen Fragen zu stellen.

Die Informationstheorie des Alterns: was bedeutet das konkret?

Um zu verstehen, warum Altern laut Sinclair behandelbar sein könnte, muss man seine Kerntheorie kennen: die Information Theory of Aging. Er nutzt dafür eine eingängige Metapher:

  • Deine DNA ist die Hardware. Sie ist der digitale Code Deines Lebens, robust und über Jahrzehnte weitgehend stabil.
  • Dein Epigenom ist die Software. Es ist die Steuerungsebene, die Deiner DNA sagt, welche Gene in welcher Zelle an- oder abgeschaltet werden sollen. Eine Leberzelle und eine Hautzelle haben dieselbe DNA, aber ihr Epigenom sorgt dafür, dass sie ihre spezifischen Aufgaben erfüllen.

Sinclairs Kernhypothese, die sogenannte Information Theory of Aging, lautet: Altern wird wesentlich durch einen fortschreitenden Verlust jugendlicher epigenetischer Information angetrieben. Im Laufe des Lebens sammeln sich Schäden an. DNA-Brüche, Entzündungen und andere Stressoren zwingen die Zelle zu ständigen Reparaturarbeiten, und dabei können epigenetische Regulationsmuster an Präzision verlieren. Zellen können dadurch Teile ihrer ursprünglichen Genexpressions- und Identitätsmuster verlieren.

Diese Idee wird durch Forschungen gestützt, die zeigen, dass man Zellen im Labor "reprogrammieren" kann. Die Entdeckung der Yamanaka-Faktoren, für die Shinya Yamanaka 2012 den Nobelpreis erhielt, bewies, dass spezialisierte Körperzellen in einen pluripotenten, stammzellartigen Zustand zurückversetzt werden können. Partielle Reprogrammierung befindet sich weiterhin überwiegend im präklinischen Forschungsstadium; robuste klinische Evidenz für eine Verjüngung beim Menschen fehlt bislang.

Was bedeutet das praktisch? Wenn Alterung mit Veränderungen epigenetischer Information zusammenhängt, dann sind bestimmte dieser Veränderungen potenziell messbar. Genau hier kommt die Arbeit des Genetikers Steve Horvath ins Spiel. Er zeigte 2013, dass epigenetische Muster auf unserer DNA sich mit dem Alter auf vorhersagbare Weise verändern. Diese Veränderungen, spezifische DNA-Methylierungen, funktionieren wie eine biologische Signatur des Alterns und bilden die Grundlage für sogenannte epigenetische Uhren (Horvath et al., Genome Biology 2013).

Healthspan vs. Lifespan: warum die Unterscheidung zählt

Zwei zentrale Begriffe der Longevity-Diskussion werden regelmäßig verwechselt:

  • Lifespan (Lebensspanne) bezeichnet die reine Dauer des Lebens, gemessen in Jahren.
  • Healthspan (Gesundheitsspanne) beschreibt die Lebenszeit, die bei guter Gesundheit und hoher funktioneller Lebensqualität verbracht wird.

Das Ziel der modernen Präventionsmedizin ist die Maximierung der Healthspan, nicht die Verlängerung des Lebens um jeden Preis. Das Konzept ist nicht neu: Der Stanford-Professor James Fries beschrieb es bereits 1980 als "Compression of Morbidity", also die Kompression der Krankheitslast auf ein möglichst kurzes Zeitfenster am Lebensende (Fries, NEJM 1980).

In vielen Industrieländern klafft zwischen Lebens- und Gesundheitsspanne eine erhebliche Lücke. Schätzungen zufolge verbringen Menschen die letzten 8 bis 10 Jahre ihres Lebens mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herzleiden, neurodegenerativen Krankheiten oder Krebs (Garmany et al., npj Aging 2021).

Wenn Sinclair sagt, die meisten Menschen sterben zu früh, meint er vor allem: Sie werden zu früh und zu lange krank. Um die Healthspan zu verbessern, muss man relevante Gesundheitsrisiken und funktionelle Veränderungen zuerst messen können.

Biologisches Alter: was die Zahl auf dem Geburtstagskuchen verschweigt

Dein kalendarisches Alter sagt, wie oft Du die Sonne umrundet hast. Biologisches Alter ist dagegen ein Sammelbegriff für Schätzungen verschiedener altersbezogener biologischer Eigenschaften, die vom kalendarischen Alter abweichen können. Zwei 50-Jährige können dabei völlig unterschiedliche Profile aufweisen. Einer hat vielleicht eine deutlich bessere kardiovaskuläre und metabolische Gesundheit als der andere.

Zur Bestimmung altersbezogener biologischer Veränderungen gibt es mehrere Ansätze:

  • Epigenetische Uhren: Sie gehören zu den am intensivsten untersuchten Ansätzen zur Schätzung altersbezogener biologischer Veränderungen anhand von DNA-Methylierungsmustern.
  • Proteomik: Analyse der Gesamtheit der Proteine im Blut.
  • Metabolische Marker: Werte wie Blutzucker, Insulin und Lipide geben Aufschluss über den Stoffwechselzustand.
  • Physiologische Tests: Funktionstests wie die maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂max) oder arterielle Steifigkeit.

Das biologische Alter ist kein einzelner, absoluter Wert. Verschiedene Uhren und Methoden messen unterschiedliche Aspekte des Alterns und können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Die Stärke liegt in der Kombination mehrerer Messungen und der Verfolgung des Trends über die Zeit. Im YEARS Ultimate® Programm werden unter anderem epigenetische Analysen eingesetzt, um verschiedene altersbezogene biologische Signaturen zu erfassen.

Longevity-Biomarker: was die Forschung heute kennt

Sinclairs Buch und die moderne Longevity-Forschung haben eine Reihe von Biomarkern in den Fokus gerückt. Welche davon sind wissenschaftlich etabliert und heute klinisch messbar?

Was hinter diesen Markern steckt:

  • Epigenetische Uhren (Horvath Clock, PhenoAge, GrimAge): Neuere Uhren wie GrimAge sind auf Populationsebene mit Mortalität und verschiedenen altersbezogenen Gesundheitsoutcomes assoziiert. Sie analysieren Muster auf Deiner DNA und liefern statistische Schätzwerte altersbezogener biologischer Veränderungen. Ihre Bedeutung für individuelle klinische Entscheidungen ist jedoch weiterhin begrenzt.
  • NAD+: Dieses Molekül ist zentral für die zelluläre Energieproduktion. NAD+ ist ein wichtiges Coenzym im Energiestoffwechsel und wird von Sirtuinen als Cosubstrat benötigt. Die klinische Messung des NAD+-Spiegels aus dem Blut ist noch nicht standardisiert. Aus diesem Grund ist eine NAD+-Messung derzeit nicht Teil der YEARS-Diagnostik.
  • Entzündungsmarker (hs-CRP, IL-6): Chronische, niedriggradige Entzündungsaktivität spielt bei vielen altersassoziierten Erkrankungen eine Rolle. hs-CRP ist ein etablierter Marker für niedriggradige systemische Entzündungsaktivität und kardiovaskuläre Risikostratifizierung, misst Inflammaging aber nicht spezifisch. Die JUPITER-Studie zeigte, dass Personen mit erhöhtem hs-CRP trotz LDL-Werten unter 130 mg/dl von einer Statintherapie hinsichtlich kardiovaskulärer Ereignisse profitieren konnten (Ridker et al., NEJM 2008).
  • Kardiovaskuläre Marker (ApoB, Lp(a)): Herzerkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. ApoB kann die atherogene Partikelbelastung insbesondere bei diskordanten Lipidwerten präziser abbilden als LDL-Cholesterin. Lp(a) ist ein starker, überwiegend genetisch bedingter Risikofaktor, der im gesetzlichen Standard-Check-up nicht routinemäßig enthalten ist.
  • Metabolische Marker (HOMA-Index, OGTT): HOMA-IR kann Hinweise auf verminderte Insulinsensitivität liefern, während ein OGTT die Glukoseverarbeitung nach einer definierten Belastung untersucht. Veränderungen dieser Stoffwechselparameter können bereits Jahre vor der Manifestation eines Typ-2-Diabetes auftreten.
  • Kardiorespiratorische Fitness: Eine Studie mit mehr als 120.000 Menschen zeigte eine starke inverse Beziehung zwischen kardiorespiratorischer Fitness und Gesamtmortalität. Die Gruppe mit Elite-Fitness hatte gegenüber der niedrigsten Fitnessgruppe ein rund 80 Prozent niedrigeres adjustiertes Mortalitätsrisiko (Mandsager et al., JAMA Network Open 2018).

Was heute klinisch verfügbar ist und was Forschung bleibt

Heute klinisch verfügbar oder diagnostisch nutzbar

Eine umfassende Diagnostik, die relevante Treiber von Healthspan und Krankheitsrisiken systematisch erfasst, kann heute folgende Bereiche beinhalten:

  • Epigenetische Uhren: Klinisch verfügbar, jedoch mit noch begrenzter individueller Interpretierbarkeit. Bei YEARS sind epigenetische Analysen Teil des Ultimate® Programms.
  • Detaillierte Biomarker: Messung von Entzündung (hs-CRP), kardiovaskulärem Risiko (ApoB, Lp(a)) und Stoffwechselgesundheit (HOMA-Index).
  • Funktionstests: Bestimmung der VO₂max per Ergospirometrie, arterielle Steifigkeit, Muskelkraft und kognitive Leistungsfähigkeit.
  • Bildgebende Verfahren:
  • Ganzkörper-MRT: Ermöglicht eine strahlenfreie, strukturelle Bestandsaufnahme und kann strukturelle Auffälligkeiten einschließlich bestimmter Tumoren, Gefäßveränderungen oder Organveränderungen sichtbar machen. Der verantwortungsvolle Umgang mit sogenannten "Zufallsbefunden" (Incidental Findings) gehört zum ärztlich begleiteten Setting dazu: Ein unerwarteter Befund kann klinisch relevant sein, aber auch zu weiteren Untersuchungen führen. Mehr zur Ganzkörper-MRT Diagnostik bei YEARS.
  • Krebsfrüherkennung:
  • Liquid Biopsy: Das bei YEARS verwendete truCheck-Verfahren sucht im Blut nach zirkulierenden tumorassoziierten Zellen und nicht nach ctDNA-Fragmenten. Die Technologie befindet sich in aktiver klinischer Weiterentwicklung. Die Evidenz für den Einsatz bei asymptomatischen Menschen entwickelt sich weiter; positive Befunde müssen konventionell bestätigt werden. Sie ergänzt die klassische Vorsorge, ersetzt sie nicht. Mehr zur Liquid Biopsy bei YEARS.

Noch im Bereich der Forschung oder nicht standardisiert

  • NAD+-Messung: Keine validierte, klinisch standardisierte Methode für die Routinediagnostik verfügbar.
  • Telomerlänge: Die Messung bei Einzelpersonen ist zu variabel, um als verlässlicher Einzelmarker für die Longevity-Planung zu dienen.
  • Partielle Reprogrammierung: Befindet sich weiterhin überwiegend im präklinischen Forschungsstadium; robuste klinische Evidenz für Verjüngung beim Menschen fehlt bislang.

Ohne medizinischen Kontext ist die Aussagekraft einzelner Messwerte jedoch stark begrenzt. Eine Liste von Biomarkern ist kein Plan. Erst die Synthese aller Befunde durch einen erfahrenen Arzt ergibt eine sinnvolle, priorisierte Präventionsstrategie.

Wie YEARS die relevanten Longevity-Marker erfasst

Bei YEARS entstanden diagnostische Programme auf Basis der Frage: Welche Treiber von Healthspan und Longevity lassen sich heute messen und klinisch einordnen?

  • YEARS Core® (€1.900 | 6 Stunden): Schafft eine umfassende medizinische Baseline mit 87 Biomarkern, darunter die kritischen Entzündungs- (hs-CRP), Kardio- (ApoB, Lp(a)) und Stoffwechsel-Marker (HOMA-Index, OGTT). Ergänzt durch VO₂max-Messung, Bodyplethysmographie (Lungenfunktion), Knochendichtemessung, 3D-Bodyscan, kognitive Tests und umfassenden Ultraschall (Herz, Bauch, Schilddrüse, Gefäße).
  • YEARS Evolve® (€7.600 | 9 Stunden): Baut auf Core® auf. Zusätzlich zu allem aus Core® enthält es 120+ Biomarker, ein Ganzkörper-MRT, die Liquid Biopsy (truCheck) zur Krebsfrüherkennung und die Einlagerung Deiner Proben in der YEARS Biological Safe für zukünftige Analysen.
  • YEARS Ultimate® (€16.900 | 9 Stunden): Das umfangreichste YEARS-Diagnostikprogramm. Beinhaltet alles aus Evolve® und erweitert die Analyse auf über 230 Biomarker. Genomische Analysen untersuchen genetische Varianten mit möglicher Relevanz für Krankheitsrisiken und Pharmakogenetik. Epigenetische Analysen und eine Mikrobiomanalyse des Darms ergänzen das Bild.

Alle Programme münden in einem über 60-seitigen YEARS Health Report und einem ausführlichen Strategiegespräch mit einem Arzt, in dem Deine Daten in einen konkreten, priorisierten Handlungsplan für die nächsten 12 Monate übersetzt werden.

Lifespan als Inspiration, Diagnostik als Ausgangspunkt

David Sinclairs Lifespan hat die öffentliche Diskussion über das Altern verändert und die Idee etabliert, dass wir unsere Gesundheitsspanne aktiv gestalten können. Als Bedienungsanleitung taugt das Buch nicht; als Ausgangspunkt für die richtigen Fragen schon.

Was heute feststeht: Viele altersassoziierte Risikofaktoren und physiologische Veränderungen lassen sich bereits messen, bevor klinische Symptome entstehen. Wer seinen Ausgangspunkt nicht kennt, kann Veränderungen schwer nachverfolgen. Eine diagnostische Baseline verwandelt vage Sorgen in konkrete Daten und Daten in einen umsetzbaren Plan.

Starte mit Deiner persönlichen Longevity-Diagnostik bei YEARS in Berlin.

Disclaimer: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Alle diagnostischen Maßnahmen bei YEARS werden von einem Ärzteteam begleitet und eingeordnet.

Quellen

  • Fries, J. F. (1980). Aging, Natural Death, and the Compression of Morbidity. New England Journal of Medicine, 303(3), 130–135. DOI: 10.1056/NEJM198007173030304
  • Garmany, A., Yamada, S., & Campisi, J. (2021). The complex interplay between aging and cancer. npj Aging and Mechanisms of Disease, 7(1). DOI: 10.1038/s41514-021-00078-z
  • Horvath, S. (2013). DNA methylation age of human tissues and cell types. Genome Biology, 14(10), R115. DOI: 10.1186/gb-2013-14-10-r115
  • Mandsager, K., Harb, S., Cremer, P., Phelan, D., Nissen, S. E., & Jaber, W. (2018). Association of Cardiorespiratory Fitness With Long-term Mortality Among Adults Undergoing Exercise Treadmill Testing. JAMA Network Open, 1(6), e183605. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2018.3605
  • Ridker, P. M., Danielson, E., Fonseca, F. A. H., Genest, J., Gotto, A. M., Kastelein, J. J. P., ... & JUPITER Study Group. (2008). Rosuvastatin to Prevent Vascular Events in Men and Women with Elevated C-Reactive Protein. New England Journal of Medicine, 359(21), 2195–2207. DOI: 10.1056/NEJMoa0807646
  • Yamanaka, S. (2012). The winding path to pluripotency (Nobel Lecture). Angewandte Chemie International Edition, 52(52), 13900–13909.

Das könnte Dich auch interessieren

YEARS Journal

Newsletter abonnieren

Erhalte Gesundheitstipps direkt in Dein Postfach.

Mit der Anmeldung akzeptierst Du unsere Datenschutzerklärung