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YEARS vs Function Health: Longevity-Diagnostik im Vergleich

Die Longevity-Medizin entwickelt sich schnell. Anbieter wie Function Health aus den USA und die Berliner Klinik YEARS versprechen tiefere Einblicke in deine Gesundheit. Was steckt dahinter?

Von Niko Hems, M.Sc.Veröffentlicht am 10. April 2026Aktualisiert am 21. August 20265 Min. Lesezeit
YEARS Eye Scan

YEARS vs. Function Health

Die Präventionsmedizin entwickelt sich schnell. Anbieter wie Function Health in den USA und YEARS in Berlin wollen Gesundheit früher, breiter und strukturierter erfassen als ein klassischer Routinebesuch in der Hausarztpraxis. Das gemeinsame Ziel ist klar: Risiken erkennen, bevor Symptome entstehen. Der Weg dorthin unterscheidet sich jedoch deutlich.

Function Health verfolgt ein digital geprägtes Membership-Modell mit laborbasierter Diagnostik über Partnerstrukturen. YEARS setzt auf eine umfassende, ärztlich begleitete Vor-Ort-Diagnostik in Berlin mit funktionellen Tests, Bildgebung und abgestuften Programmen. Der Vergleich ist deshalb weniger ein Duell „besser gegen schlechter“ als ein Vergleich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Präventionsmodellen.

Überblick: Was sind YEARS und Function Health?

Auf den ersten Blick verfolgen beide Anbieter ein ähnliches Versprechen: Gesundheit proaktiv messen, statt erst im Krankheitsfall zu handeln. In der praktischen Umsetzung gibt es aber klare Unterschiede bei Infrastruktur, Diagnostiktiefe und medizinischem Setting.

YEARS

YEARS ist eine Präventionsklinik in Berlin mit ein- bzw. ganztägigen Programmen vor Ort. Je nach Programm umfasst das Angebot 87 bis 230+ Biomarker, funktionelle Tests, Ultraschall, Leistungsdiagnostik und ab höheren Stufen auch Ganzkörper-MRT, Liquid Biopsy, Genomik und weitere vertiefende Analysen. Die Programme sind als Core®, Evolve® und Ultimate® strukturiert.

Function Health

Function Health ist ein US-amerikanisches Membership-Modell für präventive Labordiagnostik. Der Kern sind 100+ bis 160+ Labortests pro Jahr, die über Quest-Diagnostics-Standorte beziehungsweise unabhängige Partner abgewickelt werden. Die Ergebnisse werden digital aufbereitet; zusätzlich gibt es inzwischen optionale MRI- und CT-Scans über die Ezra-Integration. Wichtig: Function beschreibt sich selbst als Healthcare-Technology-Company, nicht als Labor oder medizinischer Leistungserbringer; die medizinischen und laborbezogenen Leistungen werden durch unabhängige Dritte erbracht.

Der zentrale Unterschied

Der eigentliche Unterschied liegt nicht nur in der Zahl der Marker, sondern in der Art der Versorgung.

Function ist primär ein digital organisiertes, laborzentriertes Modell mit optionaler Zusatzbildgebung. YEARS ist ein klinisches Vor-Ort-Modell, bei dem Labor, funktionelle Diagnostik und Bildgebung stärker in einem medizinischen Setting zusammengeführt werden. Das macht YEARS näher an einer umfassenden Präventionsabklärung, während Function näher an einem skalierbaren Biomarker- und Monitoring-Modell bleibt.

Diagnostischer Umfang

Labordiagnostik

Function wirbt aktuell mit 160+ Labortests pro Jahr, teils zweimal jährlich, inklusive digitaler Ergebnisdarstellung und Verlaufstracking. Das ist deutlich mehr als klassische Routine-Labordiagnostik und für Nutzer interessant, die regelmäßig Werte monitoren möchten.

YEARS arbeitet mit gestaffelten Programmen. Core® umfasst 87 Biomarker und 25+ Untersuchungen. Evolve® erweitert dies auf 120+ Biomarker plus zusätzliche Diagnostik. Ultimate® nennt 230+ Biomarker sowie weitere vertiefende Module wie Genomik und epigenetische Analysen.

Bildgebung

Function Health bietet mittlerweile MRI- und CT-Scans an, nachdem das Unternehmen Ezra übernommen hat. Diese Scans sind aber nach offizieller Darstellung Add-ons beziehungsweise optional buchbar und gehören nicht automatisch zum Basispaket der Membership.

YEARS integriert Bildgebung deutlich stärker in die Programme. Bereits Core® enthält Ultraschall-basierte Diagnostik; Evolve® und Ultimate® beinhalten ein proprietäres Ganzkörper-MRT. Der Unterschied ist deshalb heute nicht mehr „Function ohne Bildgebung vs. YEARS mit Bildgebung“, sondern eher: Function mit optionaler Zusatzbildgebung versus YEARS mit stärker integrierter Bildgebung als Teil des klinischen Programms.

Zusatzdiagnostik

YEARS kommuniziert in Evolve® und Ultimate® weitere diagnostische Bausteine wie Multi-Cancer-Detection per Liquid Biopsy, Kryokonservierung biologischer Proben und in Ultimate® zusätzlich Whole-Genome- und Whole-Exome-Sequenzierung, Mikro­biomik sowie biologische Altersmarker.

Function bietet ebenfalls zusätzliche Tests und Kategorien jenseits der Basispanels an, darunter laut Website Add-on-Tests und Biological-Age-bezogene Inhalte. Im derzeitigen offiziellen Außenauftritt steht dort aber stärker das Labor- und Tracking-Modell im Vordergrund als ein klinisch gebündelter Diagnostiktag.

Ablauf und Nutzererlebnis

YEARS

Bei YEARS findet die Diagnostik an einem zentralen Termin in Berlin statt. Core® wird mit rund 6 Stunden angegeben, Evolve® und Ultimate® mit etwa 9 Stunden. Anschließend folgt eine medizinische Auswertung und Strategieplanung. Das ist vor allem für Menschen attraktiv, die möglichst viel Diagnostik an einem Ort und in kurzer Zeit bündeln möchten.

Function Health

Bei Function läuft der Prozess digitaler ab: Anmeldung, Terminbuchung über Partnerinfrastruktur, Labortest vor Ort bei Quest Diagnostics, digitale Befunddarstellung und optional zusätzliche Imaging-Add-ons. Function betont auf der Website, dass ein Lab-Besuch oft in rund 15 Minuten erledigt sei.

Preise und Modell

YEARS kommuniziert transparente Programmpreise ab 1.900 € für Core®, 7.600 € für Evolve® und 16.900 € für Ultimate®.

Function Health nennt aktuell eine Mitgliedschaft ab 365 US-Dollar im ersten Jahr beziehungsweise 499 US-Dollar jährlich, mit 160+ Labortests. MRI- und CT-Scans laufen zusätzlich und sind nicht Teil der Standardmitgliedschaft.

Erstattbarkeit und geografische Verfügbarkeit

Für YEARS ist die GOÄ-Abrechnung ein relevanter Unterschied im deutschen Markt. YEARS kommuniziert selbst, dass Core® nach GOÄ abgerechnet wird und je nach PKV-Tarif eine teilweise Erstattung möglich sein kann. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die konkrete Höhe vom individuellen Vertrag abhängt.

Function hat vor allem eine US-Infrastruktur mit 2.000+ Quest-Standorten und Imaging-Verfügbarkeit in den USA. Einen belastbaren Hinweis auf reguläre Verfügbarkeit in Deutschland oder GOÄ-nahe Erstattungsfähigkeit gibt es nicht.

Für wen passt welcher Ansatz?

YEARS ist naheliegender für Menschen, die eine umfassende, klinisch organisierte Bestandsaufnahme wollen: viele Untersuchungen an einem Tag, inklusive funktioneller Diagnostik und je nach Programm auch strukturierter Bildgebung und vertiefender Spezialdiagnostik. Gerade für Personen, die Wert auf Vor-Ort-Medizin, engere ärztliche Einordnung und ein stärker gebündeltes Setting legen, ist das Modell plausibel.

Function Health passt eher zu Menschen, die vor allem regelmäßige Labordaten digital verfolgen möchten und dafür ein Membership-Modell bevorzugen. Seit der Ezra-Übernahme ist Function breiter geworden als früher, weil MRI und CT ergänzt wurden. Trotzdem bleibt der Kern des Angebots nach außen ein digital organisiertes Labormodell mit optionalen Zusätzen.

Fazit

Ein sauberer Vergleich lautet heute nicht mehr: YEARS als Klinik versus Function als Home-Test-Kit-Service. Das wäre veraltet. Treffender ist:

Function Health ist ein US-zentriertes Membership-Modell für umfangreiche Labordiagnostik mit digitalem Tracking und inzwischen optionalen MRI-/CT-Add-ons. YEARS ist ein Berliner Klinikmodell mit stärker integrierter Vor-Ort-Diagnostik, funktionellen Tests, Bildgebung und abgestuften Präventionsprogrammen.

Wer vor allem und nur Laborwerte über Zeit verfolgen will und ein digitales Membership-Modell sucht, wird bei Function eher das passende Format sehen. Wer dagegen eine umfassendere klinische Präventionsdiagnostik an einem Ort sucht, findet bei YEARS das schlüssigere Setup.

Mehr erfahren: Oura Ring vs. Gesundheitscheck: Der Vergleich 2026 | YEARS vs. AIVA: Zwei Berliner Longevity-Kliniken im Vergleich | YEARS vs Biograph: Longevity Klinik Vergleich | Longevity-Kliniken im Vergleich

Häufige Fragen zu diesem Thema

Bietet Function Health Home-Test-Kits an?

Nein. Die Blutabnahme erfolgt über Partnerlabore wie Quest Diagnostics und nicht zu Hause. Praktisch heißt das: Du buchst online, gehst zu einem Partnerstandort für die Abnahme und bekommst die Ergebnisse anschließend digital ins Dashboard. Für den US-Markt funktioniert dieses Modell gut, weil das Netz an Abnahmestellen dicht ist. Für Deutschland ist es weniger relevant, da die Verfügbarkeit hier unklar ist. Bei YEARS findet die Blutabnahme im Rahmen des Diagnostiktags in Berlin-Charlottenburg statt, zusammen mit allen anderen Untersuchungen. Ein separater Weg zu einem Labor entfällt damit, dafür ist eine Anreise nötig. Welches Modell besser passt, hängt vor allem davon ab, wo Du wohnst.

Hat Function Health Bildgebung?

Ja, seit der Übernahme von Ezra werden MRT- und CT-Scans angeboten, allerdings als Zusatzleistung und nicht standardmäßig. Für den Vergleich ist das ein wichtiger Unterschied: Bildgebung, die separat dazugebucht wird, liefert Befunde, die zunächst neben den Blutwerten stehen statt mit ihnen zusammengeführt zu werden. Genau diese Zusammenführung entscheidet aber darüber, wie ein Zufallsbefund einzuordnen ist. Bei YEARS ist das Ganzkörper-MRT ab dem Evolve® Programm fest enthalten und wird im ärztlichen Strategiegespräch gemeinsam mit Labor und Funktionsdiagnostik bewertet. Bei einem CT gilt zusätzlich zu bedenken, dass es im Gegensatz zum MRT mit Strahlenbelastung verbunden ist. Frag beim Vergleich deshalb, ob Bildgebung und Labor gemeinsam ausgewertet werden.

Ist Function Health in Deutschland verfügbar?

Aktuell gibt es keine klare offizielle Verfügbarkeit im deutschen Markt. Das Angebot ist auf die USA ausgerichtet, sowohl was das Netz der Partnerlabore als auch was die regulatorischen Rahmenbedingungen angeht. Für Dich als Interessent in Deutschland heißt das praktisch: Selbst wenn Du Zugang bekämst, fehlt die Anbindung an eine ärztliche Einordnung vor Ort, und ein auffälliger Wert müsste ohnehin hier abgeklärt werden. Rechtlich relevant ist außerdem, dass Labordiagnostik in Deutschland an ärztliche Veranlassung und Befundmitteilung gebunden ist. Wenn Dich das Modell reiner Labordaten interessiert, gibt es dafür inzwischen auch deutsche Anbieter, die diese Anforderungen erfüllen. Prüfe im Zweifel, ob ein Anbieter überhaupt an Kunden in Deutschland liefert.

Kann YEARS über die PKV abgerechnet werden?

Teilweise, abhängig vom Tarif. Wir rechnen ärztliche Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte ab, sodass Du eine Rechnung mit einzeln ausgewiesenen Positionen erhältst. Das ist die Voraussetzung dafür, überhaupt etwas einreichen zu können, aber keine Zusage. Ob und in welcher Höhe erstattet wird, entscheidet allein Dein Versicherer nach Tarif, medizinischer Indikation und Einzelfallprüfung. In der Praxis werden Positionen mit erkennbarer Indikation häufiger erstattet als rein präventive Bestandteile, die bei einem Vorsorgeprogramm den größeren Teil ausmachen. Gesetzlich Versicherte tragen die Kosten in der Regel vollständig selbst. Kläre den Umfang deshalb vor der Buchung mit Deinem Tarif ab. Ein Kostenvoranschlag vorab hilft bei der Klärung mit Deinem Versicherer.

Was ist der größte Unterschied zwischen beiden Anbietern?

Function ist ein digitales Membership-Modell für Labordaten, YEARS ist ein klinisches Vor-Ort-Programm mit integrierter Diagnostik. Daraus folgt fast alles andere. Ein Membership liefert Dir regelmäßig Werte zu niedrigen laufenden Kosten und überlässt Dir die Interpretation weitgehend selbst. Ein klinisches Programm kostet mehr, bündelt dafür Labor, Bildgebung und Funktionsdiagnostik an einem Tag und endet mit einem Facharzt, der alles zusammenführt. Welches Modell passt, hängt davon ab, was Du brauchst: Wer seine Werte tracken und selbst einordnen will, ist mit dem Abo gut bedient. Wer eine belastbare Standortbestimmung mit ärztlicher Verantwortung sucht, mit dem Programm. Beides lässt sich auch kombinieren, wenn Budget und Interesse es hergeben.

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