Sequenzierlabor der YEARS Klinik in Berlin

Whole Genome Sequencing

3,2 Milliarden Basenpaare. Und ein Befund, der auf 20 Seiten passt.

Die Ganzgenomsequenzierung liest Dein komplettes Genom. Was daraus tatsächlich medizinisch nutzbar wird, entscheidet nicht die Datenmenge, sondern die Kuratierung. Hier steht, was das Verfahren kann, was zusätzlich gefunden wird und was am Ende im Befund landet.

  • 30-fache mittlere Abdeckung
  • 170+ kuratierte Risikogene
  • Rohdaten auf Wunsch
  • Teil von YEARS Ultimate

Kurz gefasst

Ganzgenomsequenzierung in fünf Sätzen

Bei einer Ganzgenomsequenzierung wird das komplette Genom gelesen, rund 3,2 Milliarden Basenpaare, kodierend und nicht kodierend, dazu die mitochondriale DNA. Der klinische Standard liegt bei einer mittleren Abdeckung von 30-fach, weil erst die Mehrfachlesung einen echten Sequenzunterschied von einem Lesefehler trennt. Gegenüber der Exomsequenzierung kommen vier Dinge dazu: strukturelle Varianten, regulatorische Varianten, die vollständige pharmakogenetische Auswertung und die Möglichkeit, den Befund später ohne neue Probe neu auszuwerten. Der Befund enthält am Ende keine Rohdaten, sondern eine nach ACMG-Kriterien klassifizierte, ärztlich kuratierte Auswahl. Bei YEARS ist WGS Teil des Ultimate-Programms und läuft zusammen mit der Exomsequenzierung.

Der Überblick über alle Verfahren: Genetische Analyse — Panel, Array, Exom, Genom

Auf einen Blick

Gelesen wird
Das gesamte Genom, rund 3,2 Mrd. Basenpaare
Mittlere Abdeckung
30-fach (klinischer Standard)
Probenmaterial
EDTA-Blut, keine Speichelprobe
Dauer bis zum Befund
Vier bis sechs Wochen
Ausgewertet werden
Über 170 klinisch kuratierte Risikogene
Rohdaten
Auf Wunsch in gängigem Format, Speicherung in der EU

Der Zusatznutzen

Was eine Vollsequenzierung zusätzlich findet.

Die Exomsequenzierung liest rund ein bis zwei Prozent des Genoms und deckt damit die Mehrheit der heute klinisch interpretierbaren Varianten ab. Diese vier Klassen bleiben ihr verschlossen.

Strukturelle Varianten

Größere Umbauten wie Deletionen, Duplikationen und Inversionen liegen häufig zwischen den Exons. Im Exom sind sie unsichtbar, in der Vollsequenzierung nicht.

Regulatorische Abschnitte

Varianten in Promotoren und Enhancern verändern die Aktivität eines Gens, ohne das Protein selbst zu betreffen. Klinisch noch jung, aber ein wachsendes Feld.

Einordnung überwiegend forschungsnah.

Neuauswertung ohne neue Probe

Was heute als Variante unklarer Bedeutung im Befund steht, kann in fünf Jahren eingeordnet sein. Weil das gesamte Genom gelesen wurde, lässt sich die Auswertung dann wiederholen — ohne neue Blutentnahme und ohne neue Sequenzierung.

Der praktisch greifbarste Unterschied zum Exom, gerade bei einer offenen Familienfrage.

Pharmakogenetik in Breite

Mehrere klinisch wichtige Pharmakogene tragen Varianten in Intronbereichen, also in den Abschnitten zwischen den proteinkodierenden Teilen eines Gens. Erst die Vollsequenzierung erlaubt die komplette Auswertung, etwa für CYP2C19, DPYD und TPMT.

Wichtig für die Erwartung: Die zusätzliche Datenmenge ist größer als der zusätzliche klinische Erkenntnisgewinn. Der Anteil des Genoms, den man heute mit klinischer Sicherheit deuten kann, ist deutlich kleiner als der Anteil, den man lesen kann.

Ablauf

Wie eine Vollsequenzierung praktisch läuft.

Schritt 01

Aufklärung und Familienanamnese

Ärztliches Gespräch nach Gendiagnostikgesetz: Ziel, Reichweite, Grenzen, Recht auf Nichtwissen. Familiengeschichte über drei Generationen, weil sie bestimmt, welche Befunde relevant sind.

Schritt 02

Blutentnahme

Eine EDTA-Blutprobe genügt. Blut liefert eine höhere DNA-Qualität als eine Speichelprobe, was bei der Erkennung struktureller Varianten den Unterschied macht.

Schritt 03

Sequenzierung und Bioinformatik

Next-Generation-Sequencing im akkreditierten Labor, Alignment gegen das Referenzgenom, Variant Calling, Filterung. Die Sequenzierung dauert Tage, die Auswertung Wochen.

Schritt 04

Kuratierung und Befundbesprechung

Ärztliche Bewertung jeder Variante von krankheitsverursachend bis gutartig, nach dem internationalen ACMG-Standard, dann die persönliche Besprechung: welche Varianten gefunden wurden, auf welcher Evidenzstufe sie stehen, was daraus folgt.

Der Befund

Was am Ende auf dem Papier steht.

Vier Teile, klar getrennt nach Aussagekraft. Diese Trennung ist der Punkt, an dem sich ein ärztlicher Befund von einem Rohdatenexport unterscheidet.

TeilInhaltAussagekraft
RisikogeneVarianten in über 170 klinisch kuratierten Genen, klassifiziert von pathogen bis gutartig nach ACMGPathogene Befunde können ein Vorsorgeintervall, eine Diagnostik oder eine Therapie begründen
PharmakogenetikMetabolisierungstyp für die relevanten Enzymgruppen, mit konkreten DosierungshinweisenVerändert nachweisbar die Dosierung bestimmter Wirkstoffe, in Leitlinien hinterlegt
TrägerstatusAnlageträgerschaft für rezessive ErkrankungenRelevant für Familienplanung, ohne Konsequenz für die eigene Gesundheit
Polygene ScoresRisikoscores für häufige Erkrankungen, aus vielen Varianten zusammengerechnetForschungsnah. Ordnet ein, löst keine Diagnose und keine Therapie aus

Varianten unklarer Signifikanz kommen bei jeder Vollsequenzierung vor. Sie werden als solche benannt und nicht in eine Handlungsempfehlung umgedeutet. Das ist unbequemer als ein klares Ergebnis, aber es ist der einzige ehrliche Umgang damit.

Grenzen

Wo die Vollsequenzierung an ihre Grenze kommt.

Kein Verfahren liest alles. Diese Punkte gehören zur Aufklärung, nicht ins Kleingedruckte.

  • Repetitive Regionen und sehr GC-reiche Abschnitte bleiben auch bei 30-facher Abdeckung schwer lesbar. Vollständigkeit ist ein Anspruch, keine Tatsache.
  • Ein Teil der gefundenen Varianten lässt sich nach heutigem Wissen nicht einordnen. Sie stehen als solche im Befund und werden nicht in eine Empfehlung umgedeutet — das ist die häufigste Enttäuschung.
  • Auch ein klarer Befund sagt nicht, ob und wann Du erkrankst. Er verschiebt eine Wahrscheinlichkeit und ändert Vorsorgeintervalle, er sagt keine Diagnose voraus.
  • Ein unauffälliges Genom schließt eine bestehende Erkrankung nicht aus. Genetik beschreibt Veranlagung, nicht Zustand.

Weiterlesen: WGS oder WES — der direkte Vergleich · Wie YEARS Verfahren einer Evidenzstufe zuordnet

Kosten

Was die Ganzgenomsequenzierung bei YEARS kostet.

WGS ist bei YEARS kein Einzelprodukt. Sie ist Teil des Ultimate-Programms für 16.900 Euro, gemeinsam mit der Exomsequenzierung, Pharmakogenetik, Epigenetik, Mikrobiom, Ganzkörper-MRT, Liquid Biopsy und über 230 Biomarkern, dazu die ärztliche Beratung vor und nach der Untersuchung sowie drei Check-ins im Jahr.

Der Grund für das Bündel ist medizinisch, nicht kaufmännisch: Ein genetischer Befund ohne Blutwerte, Bildgebung und Familienanamnese lässt sich nicht sinnvoll interpretieren. Gesetzlich Versicherte erhalten keine Erstattung. Privatversicherte klären die Abrechnung im Erstgespräch.

Häufige Fragen zur Ganzgenomsequenzierung

Bei einer Ganzgenomsequenzierung, englisch Whole Genome Sequencing oder kurz WGS, wird Dein komplettes Genom gelesen: rund 3,2 Milliarden Basenpaare, kodierende und nicht kodierende Abschnitte, dazu die mitochondriale DNA. Technisch läuft das über Next-Generation-Sequencing, bei dem die DNA in kurze Fragmente zerlegt, millionenfach parallel gelesen und anschliessend gegen ein Referenzgenom zusammengesetzt wird. Für eine klinische Auswertung ist eine mittlere Abdeckung von etwa 30-fach der übliche Standard, das heißt jede Position wird im Schnitt dreißigmal gelesen. Die Sequenzierung selbst ist heute der einfachere Teil. Die Arbeit liegt in der Interpretation.

Vier Befundklassen kommen bei einer Vollsequenzierung dazu. Erstens strukturelle Varianten, also größere Umbauten wie Deletionen, Duplikationen oder Inversionen, die zwischen den Exons liegen und deshalb im Exom unsichtbar bleiben. Zweitens Varianten in regulatorischen Abschnitten, die die Aktivität eines Gens verändern, ohne das Protein selbst zu betreffen. Drittens die Möglichkeit, den Befund später ohne neue Probe neu auszuwerten, weil die Rohdaten das ganze Genom abdecken. Viertens die pharmakogenetische Auswertung in ihrer ganzen Breite, weil mehrere klinisch wichtige Pharmakogene Varianten in Intronbereichen tragen. Wie viel davon in einer Vorsorgeuntersuchung tatsächlich handlungsrelevant wird, ist eine andere Frage.

Die Abdeckung, englisch Coverage, gibt an, wie oft eine Position im Genom durchschnittlich gelesen wurde. Bei 30-facher Abdeckung wird jede Base im Schnitt dreißigmal erfasst. Das ist nötig, weil einzelne Leseoperationen Fehler machen: erst die Mehrfachlesung trennt einen echten Sequenzunterschied von einem Lesefehler. Für die Erkennung heterozygoter Varianten, also Varianten auf nur einem der beiden Chromosomen, gilt 30-fach als klinischer Standard. Für bestimmte Fragen, etwa Mosaikbefunde oder somatische Varianten in Tumorgewebe, braucht es deutlich mehr. Eine niedrigere Abdeckung senkt den Preis, erhöht aber die Zahl der Positionen, über die keine belastbare Aussage möglich ist.

Nicht 3,2 Milliarden Basenpaare, sondern eine gefilterte, ärztlich kuratierte Auswahl. Bei YEARS umfasst der Befund vier Teile. Erstens Varianten in über 170 klinisch kuratierten Risikogenen, klassifiziert von krankheitsverursachend bis gutartig, nach den ACMG-Kriterien — dem internationalen Standard für diese Bewertung. Zweitens den pharmakogenetischen Teil mit konkreten Dosierungshinweisen für die betroffenen Wirkstoffgruppen. Drittens den Trägerstatus für rezessive Erkrankungen, relevant bei Familienplanung. Viertens, klar getrennt und als forschungsnah gekennzeichnet, polygene Risikoscores. Varianten unklarer Signifikanz werden als solche benannt und nicht in eine Handlungsempfehlung umgedeutet. Deine Rohdaten bekommst Du auf Wunsch zusätzlich.

Für die meisten Fragen in einer Vorsorgeuntersuchung liefert das Exom die klinisch interpretierbaren Befunde. Die Vollsequenzierung lohnt sich vor allem dann, wenn strukturelle Varianten im Raum stehen, wenn eine vollständige pharmakogenetische Auswertung gewünscht ist oder wenn eine gezielte Voruntersuchung ohne Befund geblieben ist. Bei YEARS läuft im Ultimate-Programm beides, weil sich die Frage nach der Blutentnahme nicht zurückdrehen lässt und die Grenzkosten der zusätzlichen Auswertung geringer sind als eine zweite Sequenzierung Monate später. Die Details des Vergleichs stehen auf unserer Seite zu WGS und WES.

Von der Blutentnahme bis zum besprochenen Befund vergehen bei YEARS vier bis sechs Wochen. Der Großteil dieser Zeit geht nicht in die Sequenzierung, die dauert wenige Tage, sondern in die bioinformatische Auswertung und die ärztliche Kuratierung. Eine Rohdatendatei einer 30-fach abgedeckten Ganzgenomsequenzierung liegt je nach Format bei etwa 90 bis 120 Gigabyte im unkomprimierten FASTQ, deutlich weniger als komprimiertes CRAM. Gespeichert wird innerhalb der EU. Auf Wunsch erhältst Du die Rohdaten in einem gängigen Format, damit eine weiterbehandelnde Ärztin oder ein Arzt sie erneut auswerten kann, ohne dass Du neu sequenzieren musst.

Sequenzieren ist einfach. Deuten ist die Arbeit.

Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, ob eine Vollsequenzierung in Deiner Situation etwas beiträgt, das eine gezieltere Untersuchung nicht auch liefert.