Precision Geromedicine: Ein neuer Weg zu dauerhafter Vitalität
Die Vorsilbe „Gero“ ist häufig negativ besetzt. Sie weckt Assoziationen mit Geriatrie, Gebrechlichkeit und körperlichen Abbau. In der medizinischen Forschung wird dieser Begriff jedoch neu bewertet

Dieser Ansatz ist unmittelbar aus der Geroscience – der Erforschung biologischer Alterungsprozesse – hervorgegangen und hat nichts mit der passiven Behandlung altersbedingter Erkrankungen zu tun. Stattdessen konzentriert er sich auf die aktive, datenbasierte Optimierung von Gesundheit und Vitalität über die gesamte Lebensspanne hinweg. „Gero“ kann dabei auch für Vitalität stehen.
Präzisionsgeromedizin richtet sich daher nicht ausschließlich an Menschen im hohen Alter. Sie ist gerade für gesunde, leistungsfähige Erwachsene in ihren Dreißigern, Vierzigern und Fünfzigern relevant, die ihre funktionellen Reserven erhalten und weiter ausbauen möchten.
Die Präzisionsgeromedizin verlagert den Fokus von der Behandlung einzelner Erkrankungen auf die zugrunde liegenden biologischen Prozesse, die diese Erkrankungen begünstigen. Das Ziel besteht nicht einfach darin, dem Leben zusätzliche Jahre hinzuzufügen, sondern Gesundheit und Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten.
Dieser Artikel erklärt, was Präzisionsgeromedizin tatsächlich bedeutet, wie sie sich von der klassischen Geriatrie unterscheidet und wie ihre Prinzipien bei YEARS in Berlin klinisch umgesetzt werden.
Was ist Präzisionsgeromedizin?
Präzisionsgeromedizin ist eine junge, evidenzbasierte medizinische Disziplin, die darauf abzielt, die gesunde menschliche Lebensspanne direkt über die molekularen und zellulären Mechanismen des Alterns zu verbessern. Sie verbindet Geroscience, Präventivmedizin und personalisierte Medizin zu einem zusammenhängenden klinischen Konzept.
Der Kern dieses Ansatzes lässt sich in drei Säulen zusammenfassen (SciExplor, 2023):
Gerodiagnostik: Die präzise, multidimensionale Messung individueller Alterungsprozesse. Hunderte Biomarker, moderne bildgebende Verfahren und funktionelle Untersuchungen werden miteinander kombiniert, um das biologische statt ausschließlich das chronologische Alter abzubilden.
Trajektorienmodellierung: Die Analyse der erhobenen Daten, um individuelle Alterungsverläufe zu erkennen. Bei manchen Menschen zeigen sich Alterungsprozesse vor allem kognitiv, bei anderen kardiovaskulär oder immunologisch. Diese Modelle machen sichtbar, wo die persönlichen Risiken und Potenziale liegen.
Gerotherapeutik: Gezielte Interventionen, mit denen sich diese Alterungsverläufe positiv beeinflussen lassen. Dazu gehören personalisierte Veränderungen des Lebensstils, Nahrungsergänzungsmittel und möglicherweise geroprotektive Medikamente unter enger ärztlicher Aufsicht.
Dieser Ansatz ist proaktiv. Er wartet nicht auf die ersten Symptome, sondern identifiziert Risiken und funktionelle Einschränkungen bereits Jahre oder Jahrzehnte, bevor daraus eine klinisch erkennbare Erkrankung entsteht.
Präzisionsgeromedizin vs. Geriatrie
Beide Begriffe teilen die Wortwurzel „Gero“, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer Ausrichtung und ihren Zielen.
Die Geriatrie leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur medizinischen Versorgung älterer Menschen. Die Präzisionsgeromedizin stellt eine andere Frage: Welche zellulären Prozesse könnten in 20 Jahren zu einem Herzinfarkt führen, und wie lassen sie sich bereits heute beeinflussen?
Die drei Säulen der Präzisionsgeromedizin in der Praxis
1. Gerodiagnostik: Den Alterungsprozess messen
Eine umfassende Gerodiagnostik geht weit über ein gewöhnliches Blutbild hinaus. Sie untersucht den Zustand des Körpers auf mehreren Ebenen:
Umfassende Labordiagnostik
Gemessen werden unter anderem Entzündungsmarker wie hs-CRP, Stoffwechselparameter wie der HOMA-Index, kardiovaskuläre Risikomarker wie ApoB und Lp(a) sowie der Versorgungsstatus anhand von Vitamin D3 und dem Omega-3-Index.
Bildgebung
Erweiterte Ultraschalluntersuchungen von Herz, Blutgefäßen und Bauchorganen liefern bereits im Basisprogramm wichtige funktionelle und strukturelle Informationen. Eine Ganzkörper-MRT, die ab dem YEARS Evolve® Programm enthalten ist, kann strukturelle Veränderungen sowie frühe, noch asymptomatische Auffälligkeiten in Organen und Geweben sichtbar machen.
Funktionelle Diagnostik
Die Messung der VO₂max mittels Ergospirometrie quantifiziert die kardiorespiratorische Fitness. Sie gilt als einer der stärksten bekannten Einzelprädiktoren für die Gesamtsterblichkeit. Zusätzlich werden Muskelkraft, Gleichgewicht und Lungenfunktion mittels Bodyplethysmografie untersucht.
Molekulare Diagnostik
Analysen epigenetischer Muster, sogenannte „epigenetische Uhren“, liefern eine Schätzung des biologischen Alters. Eine Ganzgenomsequenzierung kann genetische Risikoveranlagungen identifizieren.
Die Kombination dieser Methoden ergibt eine hochauflösende Momentaufnahme des aktuellen Gesundheitszustands – einschließlich der individuellen Schwerpunkte des biologischen Alterns.
2. Trajektorienmodellierung: Die individuelle Gesundheitskurve verstehen
Rohdaten sind zunächst lediglich einzelne Messwerte. Der entscheidende Schritt ist die ärztliche Interpretation unter Berücksichtigung der persönlichen Lebensumstände, Familiengeschichte und individuellen Ziele.
Dabei werden beispielsweise folgende Fragen beantwortet:
Befindet sich das Herz-Kreislauf-System auf einem ungünstigen Verlauf, obwohl das LDL-Cholesterin noch innerhalb des Referenzbereichs liegt?
Zeigt der Stoffwechsel bereits frühe Anzeichen einer Insulinresistenz, die in zehn Jahren zu Typ-2-Diabetes führen könnte?
Wie entwickelt sich die kognitive oder körperliche Leistungsfähigkeit im Vergleich zu einer gesunden Referenzpopulation?
Nicht jedes Risiko ist gleich dringend. Ärztinnen und Ärzte mit Kenntnissen in der Präzisionsgeromedizin können beurteilen, welche Interventionen den größten positiven Einfluss auf die zukünftige gesunde Lebensspanne haben dürften.
3. Gerotherapeutik: Gezielte Interventionen
Gerotherapeutische Maßnahmen setzen an grundlegenden Mechanismen des Alterns an. Der Begriff umfasst eine abgestufte Hierarchie verschiedener Ansätze:
Lebensstilmedizin als Grundlage
Die wirksamsten und am besten dokumentierten Interventionen sind gezielte Anpassungen von Ernährung, Bewegung, Schlaf und Stressmanagement. Diese werden anhand der persönlichen diagnostischen Ergebnisse individuell zusammengestellt.
Nahrungsergänzungsmittel
Eine gezielte Supplementierung kann nachgewiesene Mängel ausgleichen, beispielsweise bei Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren. Bestimmte Substanzen können außerdem ausgewählte zelluläre Signalwege unterstützen.
Pharmakologische Interventionen
Wirkstoffe wie Rapamycin als mTOR-Inhibitor, Senolytika oder Metformin werden in klinischen Studien auf ihr Potenzial zur Verlängerung der gesunden Lebensspanne untersucht (Sirotin & Tyshkovskiy, 2024; JUSTICE-TANDEM-Studie).
Eine Anwendung außerhalb klinischer Studien ist experimentell und erfordert eine strenge medizinische Indikationsstellung sowie eine engmaschige ärztliche Überwachung.
Eine wirksame gerotherapeutische Strategie basiert immer auf den individuellen diagnostischen Ergebnissen.
Biomarker und „Aging Clocks“
Was misst das biologische Alter wirklich?
Zu den bekanntesten Instrumenten zur Schätzung des biologischen Alters gehören epigenetische Uhren. Sie analysieren Methylierungsmuster an der DNA, die sich mit zunehmendem Alter auf vorhersagbare Weise verändern.
Bekannte Beispiele sind die Horvath- und Hannum-Uhren. Neuere Generationen wie DunedinPACE versuchen, nicht einfach das biologische Alter zu schätzen, sondern die aktuelle Geschwindigkeit des Alterungsprozesses zu messen (Belsky et al., eLife 2022).
Diese Uhren sind wertvolle Forschungsinstrumente. Ihre Ergebnisse korrelieren statistisch deutlich mit dem Gesundheitszustand und dem Sterberisiko. Personen, deren epigenetisches Alter erheblich über ihrem chronologischen Alter liegt, tragen statistisch ein erhöhtes Risiko für altersassoziierte Erkrankungen.
Ihre Grenzen müssen jedoch realistisch eingeordnet werden:
Sie liefern Schätzwerte und keine exakten Messungen. Das Ergebnis ist ein wichtiger Datenpunkt, aber kein endgültiges Urteil über den Gesundheitszustand.
Ihr klinischer Nutzen wird weiterhin erforscht. Noch ist nicht vollständig geklärt, in welchem Umfang eine durch eine Intervention erreichte Veränderung des epigenetischen Alters unmittelbar zu einer verbesserten Gesundheit führt.
Im YEARS Evolve® Programm verwenden wir ein Panel aus sieben verschiedenen epigenetischen Uhren, um eine robustere Einschätzung zu ermöglichen. Die Ergebnisse werden grundsätzlich im Zusammenhang mit allen anderen klinischen Daten betrachtet.
Funktionelle und molekulare Biomarker
Für den klinischen Alltag sind etablierte funktionelle Biomarker häufig ebenso entscheidend wie epigenetische Marker. Sie können unmittelbar mit therapeutischen Entscheidungen verknüpft werden.
Das YEARS Core® Programm liefert unter anderem folgende handlungsrelevante Werte:
ApoB und Lp(a): Präzisere Marker für das kardiovaskuläre Risiko als das klassische LDL-Cholesterin allein. Lp(a) ist größtenteils genetisch bestimmt und wird bei gewöhnlichen Check-ups häufig nicht gemessen.
HOMA-Index: Ein Frühwarnsystem für Insulinresistenz, lange bevor der Nüchternblutzucker deutlich ansteigt.
Hs-CRP: Ein Marker für chronische, niedriggradige Entzündungsprozesse. Diese werden in der wissenschaftlichen Literatur auch als „Inflammaging“ bezeichnet und gelten als wichtiger Treiber biologischer Alterungsprozesse.
VO₂max: Ein objektives Maß für die körperliche Belastbarkeit. In der Framingham Heart Study war eine niedrige VO₂max ein stärkerer Prädiktor für die Sterblichkeit als Bluthochdruck oder Rauchen.
Bildgebungsbefunde: Der Nachweis einer Fettleber oder von Plaques in den Halsschlagadern mittels Ultraschall zeigt direkte strukturelle Veränderungen, die mit Alterungs- und Krankheitsprozessen verbunden sind.
Ein einzelner Messwert ist nur begrenzt aussagekräftig. Die Stärke der Präzisionsgeromedizin liegt darin, Dutzende solcher Datenpunkte zu einem zusammenhängenden, individuellen Risikoprofil zu verbinden.
Präzisionsgeromedizin bei YEARS in Berlin
Während die Präzisionsgeromedizin in vielen Ländern noch hauptsächlich ein akademisches Konzept darstellt (Maier, 2024), setzen wir diesen Rahmen bei YEARS in Berlin bereits klinisch um.
Die drei Säulen werden dabei direkt in eine konkrete medizinische Erfahrung für unsere Kundinnen und Kunden übertragen.
1. Umfassende Gerodiagnostik an einem Tag
Statt über mehrere Monate hinweg verschiedene Facharztpraxen aufzusuchen, bündeln wir den gesamten diagnostischen Prozess an einem einzigen Tag.
Das YEARS Core® Programm für 1.900 € umfasst mehr als 87 Biomarker und über 25 Untersuchungen: Herz- und Organultraschall, Bodyplethysmografie, 12-Kanal-EKG, VO₂max-Messung mittels Ergospirometrie, 3D-Körperscan, KI-gestütztes Hautscreening und neurokognitive Untersuchungen.
Das YEARS Evolve® Programm für 7.600 € erweitert die Diagnostik auf mehr als 120 Biomarker. Hinzu kommen eine Ganzkörper-MRT nach einem eigenen Untersuchungsprotokoll, eine Liquid Biopsy zur Krebsfrüherkennung sowie die Analyse von sieben epigenetischen Uhren.
Das YEARS Ultimate® Programm für 16.900 € bietet mit mehr als 230 Biomarkern, einer Ganzgenomsequenzierung und einer Mikrobiomanalyse eine besonders umfassende gerodiagnostische Datengrundlage im ambulanten Bereich.
2. Medizinische Trajektorienmodellierung im Health Report
Nach ungefähr zwei Wochen erhalten Sie keine bloße Sammlung einzelner Laborbefunde, sondern einen mehr als 60 Seiten umfassenden YEARS Health Report in verständlicher Sprache.
Dieser Bericht bildet die Grundlage für ein ausführliches Strategiegespräch mit dem YEARS Ärzteteam. Dabei werden relevante Datenpunkte, individuelle Risikoverläufe und die medizinischen Prioritäten für die kommenden zwölf bis 24 Monate gemeinsam besprochen.
3. Personalisierter Maßnahmenplan
Das Ergebnis ist ein priorisierter Maßnahmenplan mit einem klaren Fokus auf evidenzbasierte Lebensstilinterventionen.
Bei Evolve® und Ultimate® unterstützen ein Healthspan Concierge sowie spezialisierte Coaches für Ernährung und körperliche Leistungsfähigkeit die Umsetzung im Alltag. Die Empfehlungen leiten sich direkt aus den gemessenen Werten ab und basieren nicht auf allgemeinen Standardratschlägen.
Für wen ist Präzisionsgeromedizin geeignet?
Präzisionsgeromedizin richtet sich nicht primär an ältere Menschen. Sie ist für alle Menschen gedacht, die gesund altern möchten.
Der Ansatz eignet sich besonders für:
Proaktive Erwachsene zwischen 35 und 60 Jahren, die sich auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit befinden und diesen Zustand möglichst lange erhalten möchten. Viele unserer Kundinnen und Kunden kommen ohne Symptome zu uns, weil sie verstehen möchten, was unterhalb der Oberfläche ihres aktuellen Gesundheitszustands passiert.
Datenorientierte Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die berufliche Entscheidungen auf Basis valider Daten treffen und denselben Maßstab auf ihre Gesundheit übertragen möchten.
Menschen mit familiären Vorbelastungen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder neurodegenerative Erkrankungen. Präzisionsgeromedizin kann dabei helfen, das persönliche Risiko frühzeitig zu quantifizieren. Wer beispielsweise mit 47 Jahren erfährt, dass der eigene Lp(a)-Wert genetisch erhöht ist, kann die kardiovaskuläre Prävention deutlich gezielter ausrichten als eine Person, bei der dieser Wert nie gemessen wurde.
Menschen, die an die Grenzen der medizinischen Standardversorgung stoßen, weil ein 15-minütiger Check-up im Abstand von zwei Jahren nicht ausreicht, um die eigene Gesundheit tatsächlich proaktiv zu steuern.
Die Disziplin verfolgt das Ziel der Primärprävention: Risiken frühzeitig erkennen, die körpereigene Widerstandsfähigkeit stärken und biologische Funktionen optimieren, bevor Erkrankungen entstehen.
Gero steht für Vitalität
Die Präzisionsgeromedizin löst den Begriff „Gero“ von seinen negativen Assoziationen. Sie bietet einen anderen medizinischen Rahmen: weg von einer reaktiven Reparaturmedizin und hin zur proaktiven Steuerung der eigenen gesunden Lebensspanne auf Grundlage valider Daten.
Der erste Schritt ist die Diagnostik. Was nicht gemessen wird, kann nicht gezielt gesteuert werden.
Wer ein vollständiges und ehrliches Bild der eigenen Gesundheit erhalten und darauf aufbauend fundierte Entscheidungen treffen möchte, findet in der Präzisionsgeromedizin – so, wie wir sie bei YEARS praktizieren – einen strukturierten Weg dorthin.
Quellen
Belsky, D. W., et al. (2022). DunedinPACE, a DNA methylation biomarker of the pace of aging. eLife, 11, e73420. https://doi.org/10.7554/eLife.73420
Justice, J. N., et al. (2023). Targeting Senescent Cells in People with HIV: The JUSTICE-TANDEM Pilot Study. GeroScience. ClinicalTrials.gov Identifier: NCT04729315
Kane, A. E., et al. (2021). From geroscience to precision geromedicine. Geroscience, 43(1), 3–10.
Maier, A. B. (2024). Video-Interview auf YouTube. [Aus SERP-Analyse abgeleitet; hier sollte eine präzise Videoquelle verlinkt werden, beispielsweise https://www.youtube.com/watch?v=...]
National University of Singapore (NUS). (2022). PRecision gerOMedicinE: Tailored Healthy agEing With Lifestyle & Gerotherapeutics (PROMETHEUS). ClinicalTrials.gov Identifier: NCT05652393
SciExplor. (2023). Precision Geromedicine: An Integrated Framework to Understand and Modulate Aging. SciExplor.
Singapore Medical Association (SMA). (2023). From Geroscience to Precision Geromedicine and Healthy Longevity Medicine.
Sirotin, N., & Tyshkovskiy, A. (2024). The Effect of Sirolimus on Phenotypic Age in Healthy Older Adults (PEARL) Trial. ClinicalTrials.gov Identifier: NCT04488601
Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei den beschriebenen Programmen handelt es sich um diagnostische Präventionsleistungen und nicht um kurative Behandlungen.



