Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Stufe 5Ja, am besten belegtHier schließt sich die Kette vollständig. Erhöhte Lipidwerte lassen sich zuverlässig messen, die Behandlung folgt einer Leitlinie, und die Behandlung verändert den Verlauf: Eine Auswertung von 26 randomisierten Studien mit rund 170.000 Teilnehmenden zeigt, dass eine Senkung des LDL-Cholesterins um 1 mmol/l die Rate schwerer Gefäßereignisse um etwa ein Fünftel senkt. Für den Blutdruck gilt dasselbe Muster. Nicht die Messung verhindert den Herzinfarkt — sie führt zu einer Behandlung, die es tut.
Was das nicht heißt: dass jede zusätzliche Herzdiagnostik denselben Nutzen hat. Für breite Bildgebung bei Beschwerdefreien fehlt dieser Beleg.
Ausführlich zu diesem BereichTyp-2-Diabetes
Stufe 5Ja, mit klarem ZeitfensterDer Nachweis ist hier ungewöhnlich sauber, weil er genau die Situation abbildet, um die es geht: Menschen mit gestörter Glukosetoleranz, also einem Befund aus der Früherkennung. Zwei randomisierte Studien, das US-amerikanische Diabetes Prevention Program und die finnische Diabetes Prevention Study, zeigten übereinstimmend, dass ein strukturiertes Lebensstilprogramm die Zahl der Neuerkrankungen gegenüber der Kontrollgruppe um etwa die Hälfte senkt. Der Befund war der Auslöser, die Intervention die Wirkung.
Der Nutzen hängt daran, dass tatsächlich etwas folgt. Ein HbA1c-Wert im Befundbericht ohne Programm dahinter verändert nichts.
Ausführlich zu diesem BereichKrebs
Stufe 5 je nach OrganTeils, und die Unterschiede sind großFür die etablierten Programme, die der Gemeinsame Bundesausschuss festlegt, gibt es Studienbelege. Die bislang größte randomisierte Untersuchung zur Vorsorgekoloskopie fand nach zehn Jahren weniger Darmkrebserkrankungen in der eingeladenen Gruppe; ein statistisch gesicherter Unterschied bei der Sterblichkeit an Darmkrebs ergab sich in dieser Auswertung nicht. Das ist ein echter Nutzen und zugleich eine Erinnerung daran, wie hoch die Hürde für Stufe 5 ist.
Für Ganzkörper-MRT und Multi-Cancer-Bluttests bei Beschwerdefreien gibt es diesen Nachweis nicht. Beide stehen bei uns deshalb auf Evidenzstufe 3 und ersetzen die etablierte Früherkennung nicht.
Ausführlich zu diesem BereichDemenz
Stufe 4Risiko senken ja, verhindern neinDer Bericht der Lancet-Kommission von 2024 benennt 14 veränderbare Risikofaktoren und schätzt, welcher Anteil der Erkrankungen sich rechnerisch vermeiden ließe, wenn man sie über die gesamte Bevölkerung ausräumte. Das ist eine belastbare Aussage über Risikofaktoren. Sie ist keine Aussage darüber, dass eine Früherkennung bei einer einzelnen beschwerdefreien Person den Verlauf ändert — dafür fehlt die Studie, die Messung, Behandlung und Verlauf verbindet.
Blutbasierte Alzheimer-Marker wie pTau217 messen zuverlässig. Sie stehen bei uns auf Evidenzstufe 3, weil aus einem Befund bei Beschwerdefreien keine Behandlung folgt.
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